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Hannover Das knappe Rennen
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19:52 13.09.2017
Von Mathias Klein
Die Wahlwerbegeschenke sollten „so ökologisch wie möglich sein“: Matthias Miersch. Quelle: Ditfurth
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Hannover

Der Mann aus dem Fernsehen: Matthias Miersch (SPD)

Wahlkampf bei Schauerwetter ist nicht eben einfach. Gerade ist Matthias Miersch (SPD) in Ronnenberg so richtig nass geworden. Aber davon lässt sich der Bundestagsabgeordnete nicht abschrecken: Einmal mithilfe der Sitzheizung im Auto wieder aufwärmen, dann geht es weiter.

Zum ersten Teil unserer Wahlkreis-Serie, Hannover-Stadt I, finden Sie hier.

Der Wahlkämpfer Miersch hat nach eigenen Angaben ein neues Konzept, auf die Menschen zuzugehen. „Und das hat richtig gut eingeschlagen“, sagt der 48-jährige Jurist, der im Wahlkreis in Laatzen wohnt. Eine Stunde lang absolviert er Hausbesuche, die zuvor angekündigt wurden, dann steht er in einem roten Pavillon mitten in einem Wohngebiet für Gespräche zur Verfügung. „So treffe ich auch Leute, die sonst nicht zu mir kommen würden.“

Die Themen, auf die er in diesen Tagen angesprochen wird, sind vielfältig. Es gehe um die Integration von Flüchtlingen, um die Sorge über die Zukunft der Bildung, aber auch um die Probleme bei der Pflege der Grünflächen in der Straße vor dem Haus.

Ein bisschen hilft im beim Wahlkampf zu Hause auch seine gewachsene Bedeutung in Berlin: Miersch ist umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Chef der Linken in der SPD. Und er stellt sich auch gegen seine Fraktion, wenn er eine andere Meinung hat, wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Vielen Menschen sei aufgefallen, dass er in letzter Zeit häufiger im Fernsehen zu sehen sei, sagt Miersch.

Hass auf die Politiker der etablierten Parteien, von dem vielfach die Rede ist, hat der Wahlkämpfer nicht beobachtet. Aber auffällig sei die zunehmende Verunstaltung und Zerstörung von Wahlplakaten, meint er. „Da gibt es eine Verrohung.“

Mit der Auswahl seiner Wahlwerbegeschenke hat Miersch viel Zeit verbracht. Das von seiner Partei angebotene Material hat er abgelehnt und sich stattdessen selbst auf die Suche gemacht: „So ökologisch wie möglich sollte es sein“, berichtet er. Herausgekommen ist ein Leinenbeutel mit seinem stilisierten Konterfei und ein Kugelschreiber fast nur aus Pappe und Holz.

Miersch, der in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einem Mann lebt, betont gern seine große Verbundenheit zur Region: Beispielsweise sitzt er seit 1991 im Rat der Stadt Laatzen. Politisch fordert er unter anderem eine bessere Bürgerbeteiligung bei Projekten wie Windanlagen, Straßenbau oder Stromleitungen. Auf der Landesliste der SPD steht er auf Platz drei. Somit wird er nach Lage der Dinge in jedem Fall in den Bundestag einziehen.

Windräder im Blick: 
Maria Flachsbarth (CDU)

Maria Flachsbarth bekommt leuchtende Augen. „Das hier holt auch die Leute zum Wahlkampfstand, die eigentlich gar nicht über Politik reden wollen“, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete und wedelt mit der Broschüre „Marias Grillrezepte“. „Das passt gut zu mir“, sagt die 54-Jährige. Denn Kochen sei eine große Leidenschaft von ihr.

Seit dem Jahr 2002 sitzt die promovierte Tierärztin im Bundestag. Zur Kandidatur kam sie damals „wie die Jungfrau zum Kind“, wie sie selbst sagt. Weil für den Bundestagswahlkreis Hannover-Land II eine Frau gesucht wurde und die erste Kandidatin abgesprungen war, wurde Flachsbarth gefragt. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie gerade in Bemerode ein Haus gebaut, die beiden Söhne gingen dort zur Schule. „Ich habe dann kandidiert und bin dort wohnen geblieben“, sagt sie. Aber die Wege in die Städte ihres Wahlkreises seien kurz.

Das derzeitige Hauptgeschäft der Wahlkämpferin Flachsbarth sind Hausbesuche. „Guten Tag, Sie kennen mich von der Laterne“ – so stellt sie sich meist vor. „Die Überraschung ist meist groß, dass die Kandidatin selbst klingelt“, sagt sie. Entscheidend sei die Kontaktaufnahme an sich. Lange reden wollten die wenigsten.

Straßen und Bahnlinien sind nach Flachsbarths Beobachtung die zentralen Themen in ihrem Wahlkreis. „Das ist kein Wunder, wir haben hier eine zentrale Lage.“ Der Ausbau der Infrastruktur bringe zum einen wirtschaftliche Vorteile, andererseits rückten die Straßen und Schienenanlagen „den Menschen auch immer mehr aufs Fell“. So auch die Windkraftanlagen, meint Flachsbarth. „Wir brauchen den Ausbau der erneuerbaren Energien, aber wir dürfen nicht über die Bürger hinweg planen“, sagt sie. Deshalb setzt sich Flachsbarth für einen Mindestabstand von einem Kilometer zwischen Windanlagen und Ortschaften ein.

Flachsbarth fährt dieses Mal im Wahlkampf viel mehr hin und her als sonst. Das liegt daran, dass sie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium ist – und dadurch auch noch viele auswärtige Termine hat. In den Bundestag einziehen wird Flachsbarth wohl in jedem Fall, denn sie steht auf Platz vier der CDU-Landesliste.

Neben ihrem Wahlkreis liegt der Bundestagsabgeordneten ihre Familie am Herzen. Wann immer es geht, kommen die zwei erwachsenen Söhne sonntags zum Essen. „An einem schön gedeckten Tisch zu essen, sich ohne Smartphone miteinander zu unterhalten, das ist für mich Entspannung.“

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