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19:52 13.09.2017
CDU-Kandidat Maximilian Oppelt befindet sich mitten im Wahlkampf. Quelle: Heidrich
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Hannover

Das hannoversche Gewächs: Kerstin Tack (SPD)

Auf Märkten herumstehen, Broschüren verteilen, den Menschen zuhören – das macht Kerstin Tack (SPD) nicht nur vor der Bundestagswahl. „Zweimal im Jahr besuche ich die Märkte in meinem Wahlkreis. Das ist meine öffentliche Bürgersprechstunde“, sagt die 48-jährige Bundestagsabgeordnete. Leider schaffe sie es nicht häufiger, weil die Pflicht in Berlin ruft. „Und wir vom Ausschuss für Arbeit und Soziales waren wirklich fleißig und haben mehr als 40 Gesetze konzipiert“, sagt die behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Tack sitzt seit 2009 im Bundestag und will es noch einmal wissen. Sie muss ihren Wahlkreis, Hannover-Stadt I, direkt holen, ansonsten wäre es mit der bundespolitischen Karriere vorbei. Tack ist nicht über einen guten Platz auf der SPD-Landesliste abgesichert. Das scheint sie nicht nervös zu machen. „Die Chancen stehen ganz gut“, sagt sie. Zweimal hat sie ihren Wahlkreis direkt geholt, jeweils mit deutlichem Vorsprung.

Kerstin Tack ist das, was man ein hannoversches Gewächs nennt. Dabei stammt sie eigentlich aus Wittingen, „da wo das Bier herkommt“, wie sie gern betont. Ihre Jugend verbringt sie bereits in Hannover und besucht regelmäßig den Sozialistischen Jugendverband Die Falken. „Dort wurde ich politisiert“, sagt Tack. Als sie aus dem Falken-Alter herauswächst, tritt sie in die SPD ein und beginnt eine steile politische Karriere, die direkt in den Bundestag führt. 2005 wird Tack in den Bezirksrat Vahrenwald-List gewählt. Ein Jahr später sitzt sie bereits im Rat und macht sich einen Namen als Jugendpolitikerin. Als es im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 darum geht, einen Direktkandidaten für den Wahlkreis-Nord zu finden, ist Tack bereit – aber auch der damals amtierende Bezirksbürgermeister Alptekin Kirci. Am Ende entscheiden sich die Genossen in Hannover für Tack, Kirci wird später SPD-Stadtchef und kandidiert jetzt für die Landtagswahl.

Wenn Tack mit den Bürgern in ihrem Wahlkreis ins Gespräch kommt, schlägt ihr viel Sympathie entgegen, auch wenn die politischen Ansichten konträr laufen. „Für Flüchtlinge werden Millionen Euro ausgegeben, aber die Mängel in Altenheimen fallen keinem auf“, ereifert sich ein älterer Herr. Tack runzelt die Stirn, lässt ihn ausreden. „Um diejenigen, die Asylschutz bekommen, müssen wir uns kümmern“, sagt sie bestimmt. Am Ende reicht sie ihm einen Pfannenwender als Wahlgeschenk. Der Mann lächelt und wünscht Tack viel Erfolg.

Der Perspektivkandidat: 
Maximilian Oppelt (CDU)

So früh wie Maximilian Oppelt (CDU) dürfte kaum ein Bundestagskandidat mit dem Wahlkampf begonnen haben. Bereits im Mai lief der 30-Jährige durch seinen Wahlkreis und verteilte Postkarten. „Darauf konnten die Menschen die Themen notieren, die sie bewegen, und an mich zurücksenden“, sagt Oppelt. Herausgekommen sei, dass sich viele Bürger vor Wohnungseinbrüchen und Diebstählen fürchten, aber auch Angst vor steigenden Wohnungspreisen haben. „Für mich als Kommunalpolitiker eine Steilvorlage“, sagt Oppelt.

Der junge Christdemokrat mischt seit zehn Jahren in der Kommunalpolitik mit. Zunächst im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld, seit sechs Jahren im Rat. Dort fällt der Jurist mit pointierten, zum Teil angriffslustigen Reden auf. „Ich will den politischen Gegner nicht schonen, aber auch nicht unter der Gürtellinie attackieren“, sagt Oppelt.

Der gebürtige Hannoveraner hat bisher eine steile Parteikarriere hingelegt. Als Schülervertreter wurde er Mitglied in der Jungen Union, Nachwuchsorganisation der CDU. „Ich wollte mitmachen, nicht alles vom Sofa aus beobachten“, sagt er. Die Wahl der Partei sei ihm nicht schwergefallen. Die Mischung aus Leistungsprinzip und Eigenverantwortlichkeit gepaart mit einem christlichen Menschenbild hat den früheren Schüler des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums angezogen. Inzwischen hat er es zum stellvertretenden Chef des CDU-Stadtverbands gebracht. „Als Christdemokrat geht man nicht aus opportunistischen Gründen in die hannoversche Kommunalpolitik“, sagt er. Schließlich sei kein Posten im Rathaus zu vergeben.

Damit spielt Oppelt auf die jahrzehntelange Regentschaft von SPD und Grünen an. Auch in seinem Wahlkreis, von der SPD dominiert, hat es Oppelt nicht einfach. Der Ratsherr ist nicht über einen chancenreichen Listenplatz abgesichert. Verliert er die Direktwahl, wird es nichts mit einem Ticket nach Berlin. Innerhalb der hannoverschen CDU gilt Oppelt als „Perspektivkandidat“, als jemand, der sich im Wahlkampf erste Verdienste erwirbt, aber noch wenig Chancen hat. Immerhin hat sich Oppelt in einer Kampfkandidatur gegen seinen parteiinternen Gegner Wilfried Lorenz durchgesetzt.

Dennoch wird Oppelt nicht müde, von Haustür zu Haustür zu gehen und seine Wahlbroschüren zu verteilen. „Nächste Woche legen wir eine Schippe drauf“, sagt er. Dann will er schon in den frühen Morgenstunden für sich und seine Partei werben.

Das ist der Wahlkreis 41

Im nördlichen Wahlkreis der Stadt Hannover leben exakt 180 858 Wahlberechtigte – etwas weniger Wähler als im südlichen Bereich. Auch bei den Strukturdaten ergeben sich leichte Unterschiede, wie eine statistische Analyse der Stadtverwaltung zeigt. Im nördlichen Wahlkreis liegt der Anteil älterer Menschen (ab 45 Jahre) etwas höher. 6,8 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter sind arbeitslos.

Bei der Bundestagswahl 2013 erhielt Kerstin Tack (SPD) mit 43,5 Prozent die meisten Wählerstimmen. Wilfried Lorenz (CDU) errang 36,5 Prozent. Bei den Zweitstimmen lag die SPD ebenfalls mit 35,5 Prozent knapp vorn (CDU: 33,5 Prozent). Von den kleinen Parteien waren die Grünen am stärksten (12,3 Prozent).

Die Wahlbeteiligung lag bei der vergangenen Wahl in Isernhagen-Süd am höchsten (mehr als 83 Prozent), und in Vahrenheide am niedrigsten (weniger als 61 Prozent). Hochburgen der CDU befinden sich im Zooviertel und in Isernhagen-Süd, die SPD hat viele Wähler in Vahrenwald und Misburg.

In loser Reihenfolge stellen wir in den nächsten Tagen auch die Kandidaten der anderen drei Wahlkreise in Hannover und Umland vor.

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