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Warum die Region Angst vor dem Schadstoff-Problem hat

Kommentar Warum die Region Angst vor dem Schadstoff-Problem hat

Das Ein-Euro-Ticket würde bei der Schadstoff-Problematik helfen. Dass die Region sich der Debatte verweigert, ist ein Zeichen von Ängstlichkeit, meint Heiko Randermann

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Quelle: Alexander Körner

Hannover. Man tut wohl niemandem Unrecht, wenn man feststellt, dass Hannovers Verkehrspolitik oft umstritten war: Fahrbahnverengungen, Ampelvorrangschaltungen oder Tempo 30 auf Hauptstraßen sorgten nicht nur für Begeisterung. Aber eines war immer klar: Die grundlegende Idee hinter allen diesen Forderungen ist, dass man in einer großen Stadt wie Hannover die Mobilität nur organisieren kann, wenn man mehr Menschen dazu bekommt, vom Auto in die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Eine Idee, die einigen Rückhalt gewonnen hat, seit klar ist, dass die Stickoxidwerte in Hannover zu hoch sind und der Landeshauptstadt sogar Fahrverbote für Dieselfahrzeuge drohen. Doch jetzt muss man sich fragen: Waren das alles nur Sonntagsreden? Bekommt man Angst vor der eigenen Courage, wenn man es mit diesem Ziel einmal ernst  nimmt?

Denn es gibt jetzt einen Vorschlag der Mehrheit im hannoverschen  Stadtrat, der dieser Idee kräftigen Schub geben könnte: Ein Jahresticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt für 365 Euro, also nur einen Euro am Tag. Ein Ticket, das so günstig ist, dass man die Zahl der Menschen, die sich für Bus und Bahn entscheiden erheblich steigern könnte, wie Erfahrungen  in  Wien gezeigt haben. In Österreichs Hauptstadt haben sich die Nutzerzahlen innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt. Doch warum winken die Regionspolitiker dann ab?

Taucht man in die Debatte ein, kristallisieren sich zwei Probleme heraus: Mit mehr Nutzern – so die Sorge – würden einige Bahnlinien, die zu Stoßzeiten jetzt schon am Limit sind, endgültig überlastet. Mehr Züge könnten das Problem nicht überall lösen, denn auf einigen Linien ist der Takt so eng, dass er nicht mehr verdichtet werden kann. Die Bahnen würden länger und in ihnen würde es enger werden. Man hat immer gefordert, mehr Menschen von  der Straße auf die Schiene zu bringen  – doch man kann es gar nicht so leicht umsetzen.

Eine Lösung wird den Menschen viel abverlangen

Dazu kommt eine delikate politische Debatte: Während in der Stadt die Bahnen jetzt schon gut besetzt sind, laufen die Busse im Umland leer. Auf einigen Linien werde „nur warme Luft transportiert“, heißt es. Regiobus denkt daher offen über die Stilllegung von Verbindungen nach – und muss das in der aktuellen Lage auch, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Man kann sich vorstellen, welcher Unmut sich aufbauen könnte, wenn die Großstadt mit dem Ein-Euro-Ticket noch mehr Subventionen für den öffentlichen Nahverkehr erhält, während auf dem Land die Buslinien stillgelegt werden – weil sie zuviel kosten. 

Heiße Eisen, die man in der Regionspolitik nicht gerne anfassen  will. Man muss es aber. Wir müssen  darüber reden, wie es weiter gehen  soll, denn aussitzen lässt sich die Lage nicht. Die Luftwerte in Hannover sind weiter schlecht, und die Fahrverbote drohen durch die Klage der Deutsche Umwelthilfe weiterhin. Die Lösung – wie auch immer sie aussehen wird – wird vielen Menschen eine Menge zumuten. Doch wenn man vor dieser Debatte die Augen verschließt, wird man nur blind vor die Wand fahren. 

Von Heiko Randermann

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