Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Epping kritisiert Geldmangel an Hochschulen
Nachrichten Hannover Epping kritisiert Geldmangel an Hochschulen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 08.12.2018
„Wir müssen mit anderen deutschen Unis mitbieten können“: Volker Epping, Präsident der Leibniz-Universität.
Hannover.

Professor Volker Epping, Präsident der Leibniz-Universität Hannover, hat im Wissenschaftsausschuss des Niedersächsischen Landtags die mangelnde finanzielle Ausstattung der Universitäten kritisiert. Im Interview erklärt er, wie sich die Geldnot auf die Suche nach Spitzenwissenschaftler auswirkt.

Präsident Epping, Sie beklagen die schlechte Finanzierung der Hochschulen in Niedersachsen. Was sind die Folgen?

Wir haben einen enormen Wettbewerbsnachteil beim Anwerben von Hochschullehrern. Allein beim Grundgehalt für Professoren liegen wir im Schnitt 1000 Euro unter Bayern und Baden-Württemberg. Pro Monat! Dazu kommen dann noch Leistungszulagen. Es besteht insofern ein deutliches Gehaltsgefälle vom Süden nach Norden.

Das klingt dramatisch. Wie stellen Sie es an, wenn Sie dennoch einen profilierten Wissenschaftler gewinnen wollen?

Die Universität bekommt für jede Professur einen durchschnittlichen Satz, der nicht ausreicht, um Spitzenwissenschaftler anzulocken. Um diesen ein entsprechendes Angebot zu machen, müssen wir eine andere Professur sprichwörtlich schlachten, um mit dem Geld konkurrenzfähige Gehälter zahlen zu können. Und das reicht dann oftmals immer noch nicht aus, um Leute aus Süddeutschland zu holen, wenn sie nicht beispielsweise familiäre Bindung hier haben.

Dennoch hat sich die Leibniz-Uni beim Rennen um Forschungsgeld aus der Exzellenzinitiative gut geschlagen. Gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover bewirbt sich die Uni jetzt sogar im Verbund als Exzellenz-Universität. Da fließt doch einiges Geld für Professoren?

Mit vier eingeworbenen Exzellenzclustern gehört Hannover zu den acht erfolgreichsten Hochschulstandorten in Deutschland. Wenn wir Exzellenzverbund gemeinsam mit der MHH werden wollen, müssen wir aber mit den anderen deutschen Unis mitbieten können. Die Professoren, die wir für die Forschungscluster berufen, stellen wir dauerhaft ein. Das heißt, sollte die Förderung nach sieben Jahren wegfallen, müssen wir die Forscher dann aus unserem Haushalt bezahlen. Kaufen wir jetzt Spitzenleute sehr teuer ein, haben wir also später wieder das genannte Problem der Finanzierung, nur zeitlich verschoben.

Den profilierten und weltweit gefragten Roboterexperten Sami Haddadin hat die Leibniz-Uni dieses Jahr an München verloren. Gewinnen Sie dennoch manchmal den Wettstreit zwischen zwei oder drei Hochschulen?

Manchmal klappt es. Hochschulpräsidenten in anderen Bundesländern können allerdings nach kurzer Rückfrage bei ihrem Ministerium zum Telefon greifen und ein Angebot machen. Diese Möglichkeit sollen wir jetzt auch bekommen. Das ist wichtig, denn Topleute, gerade auch aus dem Ausland, begeben sich heutzutage nicht mehr in aufwändige Berufungsverfahren. Wenn wir international mitspielen wollen, müssen wir uns auch auf Gehaltsforderungen, wie sie international, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, üblich sind, einlassen. Gehaltlich sehr herausfordernd ist aber auch die Gewinnung von Personen in Feldern, die auch von der Wirtschaft stark nachgefragt sind.

Wie sieht es mit der Hochschulfinanzierung jenseits der Forscher aus?

Die Grundfinanzierung für die Hochschulen wurde abgesehen von Gehaltsanpassungen seit mehr als zehn Jahren nicht mehr erhöht. Die Baupreise gehen in die Höhe, wir haben angesichts des Alters unserer Gebäude einen steigenden Sanierungsbedarf, bekommen aber auch immer weniger Geld für die Bauunterhaltung. Auch unsere Energiekosten steigen, Forschungsgeräte verbrauchen viel Strom. Diese Kosten fressen uns sprichwörtlich auf. Unser Hochhaus in der Appelstraße steht bildlich für das Desaster. Wir haben die Fassade mit einem Netz gesichert, weil wir die geschätzten 30 Millionen für die Sanierung allein der Außenfassade nicht zahlen können. Das Netz hält drei bis vier Jahre, dann brauchen wir ein neues.

Von Bärbel Hilbig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Sparkassen-Sportfonds unterstützt in diesem Jahr 80 Projekte von Vereinen in der Region Hannover. Jetzt sind auch wieder Bewerbungen für die Ausschüttung im nächsten Jahr möglich.

04.12.2018
Hannover „Als die Revolte nach Hannover kam“ - 160 HAZ-Leser bei Buchvorstellung zu 1968

„So etwas wie die Rote-Punkt-Aktion hat keine andere Stadt hinbekommen“: Simon Benne und Gunnar Menkens stellen ihr neues HAZ-Buch „1968 – Als die Revolte nach Hannover kam“ vor

07.12.2018

Die EU-Mitgliedsstaaten wollen die Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer verbessern. So soll das Übernachten in den Kabinen der Führerhäuser künftig eingeschränkt werden. Die Lkw-Fahrer selbst glauben kaum, dass die Vorschläge umsetzbar sind.

04.12.2018