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Kultur Film „Club Europa“ im Schloss Rittmarshausen – Regisseurin vor Ort
Nachrichten Kultur Film „Club Europa“ im Schloss Rittmarshausen – Regisseurin vor Ort
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16:45 25.10.2018
Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch zeigt ihren Film „Club Europa“ im Schloss Rittmarshausen. Quelle: r
Göttingen

Nach der Vorführung im Schloss Rittmarshausen (Beginn ist um 20 Uhr) will die 33-jährige Max-Ophüls-Preisträgerin zudem mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

„Club Europa“: Mitten in der sogenannten „Flüchtlingskrise“ wollen Martha und ihre beiden Mitbewohner etwas Sinnvolles tun und nehmen einen Geflüchteten in ihrer Wohngemeinschaft in Kreuzberg auf. Die Stimmung in der WG ist freundschaftlich. Als die Lebenssituation ihres kamerunischen Gastes Samuel in eine dramatische Lage mündet, steht das Trio vor der Frage: Was tun?

Frau
Hoenisch
, was tun drei?

Sie werden Freunde und beschwören, ihn nie im Stich zu lassen. Doch wenn es darum geht, für ihren neuen Mitbewohner die eigene Komfortzone zu verlassen, stehen sich die WG-Mitbewohner doch selbst am nächsten.

Mehr wollen Sie nicht verraten?

Es geht um seinen Asylantrag. Mehr verrate ich nicht. Die Spannung muss erhalten bleiben.

Franziska Margarete Hoenisch: Austausschülerin in Südafrika

In Ihrer Biografie steht: In ihrer Schulzeit reißt sie ein Jahr nach Südafrika aus – ein Buchstabenfehler (reist) oder sind Sie tatsächlich Richtung Kap abgehauen?

Ich bin mit 16 Jahren, in der 11. Klasse für ein Jahr nach Südafrika abgehauen, ja. Als Austauschschülerin mit einer Austauschschüler-Organisation. Ein beschütztes Abhauen.

Sind Sie im Elternhaus in der Provinz und/oder an Ihrer Schule eher behütet oder mit Vorbehalten gegenüber der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Politik aufgewachsen?

Ich würde sagen ich bin sehr behütet aufgewachsen in dem kleinen Rheinbach (etwa 27 000 Einwohner). Doch in meinem Freundeskreis und auch in meinem Elternhaus haben wir immer auch über Politik gesprochen. Mir wurde mal in der Schule an den Kopf geworfen, dass ich mich sehr über irgendeine Ungerechtigkeit aufgeregt habe: „Franzi, dann geh doch demonstrieren!“

Haben Sie Deutschland nach Ihrer Rückkehr anders bewertet?

Ja, absolut. Mir war plötzlich bewusst wie reich ich bin, wie kostbar Sicherheit ist und wie ich irgendwie eine Verantwortung trage dadurch, dass ich in einer sehr privilegierten Situation geboren wurde.

Welche Rolle spielte der Auslandsaufenthalt für die Idee zum Film Club Europa?

Ich habe ja in einer absolut privilegierten Situation Südafrika von innen heraus kennen lernen dürfen. Ich war dort an Schulen, in Gastfamilien vermittelt. Dadurch war ich sehr beschützt und konnte einen Alltag dort wirklich kennenlernen. Als so viele minderjährige unbegleitete Flüchtlinge nach Europa kamen, dachte ich, dass es doch eine gute Lösung sie in Gastfamilien zu vermitteln. Das Jugendamt war damals da schon dran, aber es gab bis zu dem Zeitpunkt, wo wir angefangen haben mit dem Film (April 2014) noch sehr wenige Erfahrungswerte dazu. Im Herbst 2014 gründete sich dann die Nichtregierungsorganisation „Flüchtlinge Willkommen“, die uns auch unterstützt hat. So entwickelte sich der Film zu einer WG-Geschichte. Das war näher an uns und unserer Perspektive dran.

Filmtitel „Club Europa“: Die, die drin sind, bestimmen die Regeln

Was bedeutet der Titel
Club Europa
?

Ein Club schillert, da steht man an, will rein. Es entscheidet jemand anders, wer darf rein, wer draußen bleiben muss. Die, die drin sind, bestimmen die Regeln.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage: „Club Europa ist ein kammerspielartiges Drama, welches uns selbst den Spiegel vorhält“. Was ist in dem Spiegel zu sehen?

Das hängt ganz davon ab, wer vor dem Spiegel steht.

Was würden Sie gerne sehen, genauer: Welche Vorstellung bezüglich der Aufnahme und des Umgangs von und mit Geflüchteten propagieren Sie – individuell und gesellschaftlich?

Ich wünsche mir, dass wir es schaffen ein Einwanderungsland zu werden. Eine gesellschaftliche Offenheit, in der es egal ist, woher man kommt. Ich wünsche mir, dass wir verstehen, dass unser Reichtum auf der Armut anderer Länder fußt und dass wir ihn teilen müssen. Ich wünsche mir, dass wir uns selbst fragen, was der eigene beitrag dazu sein kann, und den mutig zu geben.

Info: Platzreservierung unter Telefon 0172/9341531 oder an m.heintz@kulturverein-rittmarshausen.de

Von Stefan Kirchhoff

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