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Kultur Björn Jentsch gibt „Alles von mir“ im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Björn Jentsch gibt „Alles von mir“ im Göttinger Apex
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08:00 23.10.2018
Mit Eigenkompositionen und Jazz-Standards erzählt Björn Jentsch seine Geschichte als Künstler. Quelle: r
Göttingen

Im Apex vermittelt er Einblicke in sein Leben als Jazz-Pianist – der Titel des Konzerts: „Alles von mir“. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Seine Extra-Klasse wird vom Publikum geschätzt – nicht nur, wenn er Buster Keaton durch flimmernde Schwarz-Weiß-Bilder begleitet. Am Freitag wird der 42-Jährige mal ohne Film und ganz und gar nicht stumm auftreten: Jentsch setzt seine Stimme ein. Als Autodidakt habe er schon viele Instrumente kennengelernt und Wege gefunden, sie „technisch zu entschlüsseln“. Sein neuestes Instrument „ist auch gleichzeitig das schwierigste – die Stimme. Kein anderes Instrument hat mich so viel Zeit und Geduld gekostet. Immer wieder von der Versuchung verführt, die Stimme den derzeitigen Vorlieben und Hörgewohnheiten anzupassen, bin ich bis heute bemüht meine Stimme zu finden“ – die Betonung liegt auf „meine“.

Der Abend sei mehr als „eine zufällige Aneinanderreihung von Songs“, sagt der Musiker. Mit Eigenkompositionen und Jazz-Standards erzähle er seine Geschichte als Künstler. „Alles von mir“ heißt: alles authentisch. Mit „Anekdoten und Hintergründigem“ will er „kurzweilig und unterhaltsam“ durch den Abend führen.

Björn Jentsch begeisterte die freie Improvisation am Klavier

„Als Kind fühlte ich mich der klassischen Klaviermusik hingezogen“, sagt Jentsch. Grund „war wohl meine Ballett liebende Schwester, die zu Klaviermusik geübt hat“. Unterricht habe er „kaum“ gehabt. „Das Spiel nach Noten konnte mich nicht begeistern. Sehr wohl begeistern konnte mich die freie Improvisation am Klavier.“

Autodidaktik sei auch heute noch seine „Triebfeder“. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Vibraphon, Querflöte, Trompete, Klarinette: „Alle Instrumente habe ich mir ohne Unterricht beigebracht. Diese Vielzahl sollte mir bei meiner Arbeit im Theater sehr von Nutzen sein.“

Mit 16 spielte der Göttinger in der Jazz-Band seines Felix Klein Gymnasiums. Aus der Formation habe sich die BigBand Jazztified entwickelt. Mit 19 Jahren spielte er in der „ersten eigenen Band: Landslide; unter anderen mit dem Schlagzeuger Tim Dudeck und Almut Schlichting am Alt-Saxophon.

Ein Jahr später arbeitete Jentsch im ersten „Home-Recording-Studio im Keller meiner Eltern. Verschiedene Produktionen wie Hip-Hop oder elektronische Musik sind hier entstanden.“ Mit 21 war Jentsch Bar-Pianist im „Weinkeller“ und im „Apex“, später kam die Stummfilmvertonung im Cinema hinzu.

Seiner Ausbildung zum Audio-Engineer hat Jentsch am SAE Institut Hamburg absolviert. Die Entwicklung vom Amateur- zum Berufsmusiker sei „langsam und schleichend und noch immer nicht abgeschlossen“. Nach Bremen hat ihn „meine Liebe zum Theater“ und die „damals noch gute Auftragslage“ gezogen. „Im Moment bin ich mit einer Viertelstelle Musiklehrer in Bremen, vertone kleinere Werbefilme, mache Projekte“ – und: Jentsch bietet Workshops für Jugendliche an und arbeitet im integrativen Verein „Es geht Los Bremen“ als Musikpädagoge. Außerdem produziert und komponiert er für „verschiedene Theaterhäuser im eignen Tonstudio. Alle zwei Jahre arbeite ich ehrenamtlich als Tontechniker auf dem Kirchentag.“ Jentsch spielte in Bands wie „KC Blue“ mit John Coates, Hanna-Lena Tilch, Dennis Hofmeister und Frank Dau; sowie in „Jazz Night Trio + 1“ (Gabriela Coates, John Coates, Frank Dau) und ist aktuell auf der Suche nach einem Jazz-Trio.

„Einfach Jentsch“ ist eine Herausforderung: Die Frage nach dem eigenen, unverwechselbaren Sound

„Stilistisch habe ich mich immer um den Jazz und die Klassik bewegt“, sagt Jentsch. „Ich liebe das Druckvolle und Treibende der Funk-Musik, das Lyrische im Hip-Hop, das Aggressive im harten Rock und die Vielschichtigkeit und die Möglichkeiten der elektronischen Musik; trotzdem kehre ich immer wieder zum Jazz zurück.“ Sein musikalisches Credo der Veranstaltungsreihe „Einfach Jentsch“ klinge einfach, sei aber eine „große Herausforderung: Die Frage nach dem eigenen, unverwechselbaren Sound.“ Das Bühnenprogramm „Alles von mir“ ziele in genau diese Richtung „Und ich habe mich seit Langem nicht mehr so sehr auf einen Auftritt gefreut.“

Sein „Herz schlägt für Göttingen“, sagt Björn Jentsch. „Für mich eine Stadt zum Zurückkehren.“ Das Göttinger Publikum biete „eine gute Mischung aus anspruchsvoll und begeisterungsfähig“. Verglichen mit Hamburg oder Bremen „ist die Kulturszene klein aber fein“. Letzteres Attribut ist wohl als Kompliment zu verstehen.

Info: Tickets für das Konzert in der reihe „Kulturlichter“ am Freitag, 26. Oktober, im Göttinger Apex (Burgstraße 46) sind in den Geschäftsstellen des Göttinger (Weender Straße 44) und des Eichsfelder Tageblatts, Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich.

Von Stefan Kirchhoff

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