Göttingen. Der Mann ist ein einziger Rausch. Bier um Bier zischt „dirty old man“ Stankowsky während der zweistündigen Vorstellung weg. Dem Publikum stellt er mit dem Hinweis, „der Öffner ist dran“, auch eine Kiste hin. Er selbst öffnet seine Flaschen mit den Zähnen. In den skurrilen Geschichten des abgewrackten, verschwitzten, immer betrunkenen Schriftstellers geht es um Hitler, Tiere, Kannibalismus, Sex und Sex mit Tieren.
Lieverscheidt bedient in der Einmannperformance alle Rollen und überzeugt ebenso als Latina-Schönheit mit ausgeprägtem Hang zur Sodomie als auch im Schattentheater als Hitler oder als voyeuristischer Hausarzt mit Wiener Schmäh, der Stankowskys genitale Schnittverletzungen näht. Am genialsten ist er aber als Stankowsky selbst. In Trenchcoat, Hosenträgern und gepunkteter Krawatte irrt er mal blutüberströmt durch die Wüste, beäugt seine Geliebte Juanita heimlich im Dunkeln hinter einem Din-A4-großen Kordelvorhang beim Sex mit einem Tiger und ist gleichzeitig Juanita selbst. Wer Bukowski mag, wird ihn dafür lieben.
Zwischendurch gibt es auch mal eine Dressurnummer mit Bühnenhund Picco, der ansonsten den Großteil des Abends in einem Wäschekorb verschläft. Untermalt wird Lieverscheidts Programm von viel Musik und kleinen Tänzen: Rock-’n’-Roll-Nummern, Pink-Panther-Slow-Fox und der große Publikumschor. Mit Handpuppe Tanja animiert Lieverscheidt die Zuschauer zum Mitsingen. „Oh schöne Liebesnacht, stille mein Verlangen!“ – „Grande Opera“, befindet Lieverscheidt, nachdem seine Gäste lauthals mitgeschmettert hatten. Der Applaus gibt ihm Recht.
Willi Lieverscheidt gastiert mit seinem Programm am Donnerstag, 16. Februar, um 20 Uhr noch einmal im Göttinger Apex, Burgstraße 46.
Von Eida Koheil
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