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Schlagerette bei den Gandersheimer Domfestspielen

Blendend aufgelegtes Ensemble schmettert lustvoll


Die Sommerferien haben früh angefangen in diesem Jahr. Darauf hat Johannes Klaus, Intendant der Domfestspiele in Bad Gandersheim, Rücksicht genommen und die Premiere des Kinderstückes „Jim Knopf“ weit vorgezogen. Am Donnerstag, 25. Juni, nun sind die Festspiele mit der Uraufführung „Und es war Sommer“ offiziell gestartet.

Kämpfen für eine bessere Gesellschaft: das Ensemble der Schlagerette taucht ein in die 70er Jahre.

© EF

Zehn Jahre alt war Heike Bultmann, Dramaturgin der Gandersheimer Domfestspiele, als sie vor dem Radio saß, um den Text des Schlagers „Griechischer Wein“ mitzuschreiben. Udo Jürgens hatte das Lied 1975 auf den Markt gebracht. So säuselig es klingt, hatte Jürgens doch das Schicksal eines griechischen Gastarbeiters in Deutschland darin untergebracht. Für das Mädchen muss dies ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein, so einschneidend, dass jener Grieche eine wichtige Rolle in der Schlagerette spielt, die Bultmann für die Domfestspiele geschrieben hat. „Und es war Sommer“, heißt das Werk, das eine kaum erzählenswerte Geschichte erzählt.

Doch Bultmann lässt ein Trommelfeuer von Schlagworten und Ereignissen aus den 70er Jahren auf das Publikum einprasseln: Jute statt Plastik, Guillaume-Affäre, Rasterfahndung, Berufsverbot, Radikalenerlass.

Längst nicht alles, was Bultmann verarbeitet hat, ist derart ernsthafter Natur. Sie lässt Titel populärer Fernsehsendungen wie „Am laufenden Band“ oder Klimbim“ einfließen, alles selbst erlebt. Wie auf Knopfdruck erscheinen Erinnerungen an die Zeit, in der Werbung noch Reklame hieß, vor dem inneren Auge.

Gefühlig wird das Gedächtnis mit Musik der 70er Jahre gekitzelt, Musik, die damals vielleicht gar nicht so angesagt war, heute aber viel Vergnügen bereitet, vorzugsweise Schlager. Das blendend aufgelegte Ensemble schmettert lustvoll Lieder wie „Am Tag als Conny Kramer starb“, „Staying alive“, „Hot Stuff“ oder „Daddy Cool“. Flott hat Regisseur Christian Doll die Nummernrevue in Szene gesetzt.

Mit schlichten, aber liebevoll umgesetzten Kleinkunst-Tricks unterhalten die Schauspieler das Publikum, dass Szenenapplaus gab, gerne mitsang und am Ende gar nicht gehen wollte. Spaß war das Ziel, und das wurde ganz locker erreicht

Zahlreiche weitere Vorstellungen bis zum 8. August. Kartentelefon: 05382/73777.

Von Peter Krüger-Lenz

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