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Handpuppe und Feingeist

„Der Norddeutsche freut sich ja mehr inwendig“


Wenn eine bodenständige Handpuppe und ein klassischer Feingeist aufeinander treffen und sich auf unfreiwillige Weise eine Bühne teilen müssen, kann es zu unkontrollierbaren Lachanfällen im Zuschauerraum kommen. So auch am Sonnabend im Apex, wo eine Begegnung der Unterschiedlichkeiten vom Publikum mit andauerndem Applaus belohnt wurde.

Im Clinch: Kothe und Momsen in der „nicht ganz Solo-Show“.

© EF

Werner Momsen, schon in die Jahre gekommene Handpuppe und Mitglied im Altonaer Männergesangverein, betritt die Bühne und stellt sogleich mit breitestem norddeutschem Zungenschlag klar „Ich bin der, wo das hier heute Abend macht.“ Hamburgs „bekanntestes Klappmaul“, das auch gelegentlich auf dem roten Sofa bei DAS! im NDR-Fernsehen auftaucht, gibt gerne zu verschiedensten Fragen seinen Senf.

So lässt er sich zunächst über das bekanntermaßen geradezu überschäumende Temperament der Norddeutschen an sich aus: „Der Norddeutsche freut sich ja mehr inwendig“. Weiter schimpft er, dass er sich in Göttingen verfahren habe „Ich habe einen neuen Navigationsapparat. Die Frau aus dem Ding, die war wohl noch nie hier“. Schließlich gibt er freimütig zu, dass er eigentlich sowieso nicht so für technische Erneuerungen ist „Wir nehmen unseren Videorekorder nur als Wohnzimmeruhr. Aber nur im Winter. Sommerzeit können wir nicht einstellen“, „Mein Google ist noch von Brockhaus. Da kann man auch bei Stromausfall was nachgucken“.

Nach Göttingen ist Momsen aber nicht allein gekommen, sondern gemeinsam mit „Fiete“, mit dem er einige Shantys zum Besten geben möchte. Nur Fiete taucht nicht auf. Stattdessen irrt ein Herr im Smoking ans Klavier und beginnt mit glockenklarem Tenor, Bach zu interpretieren. Die Verwirrung ist groß, Werner Momsen versteht die Welt nicht mehr und besteht auf seinen Shantyabend, der Pianist Henning Kothe möchte Schubert, Schumann und Mozart präsentieren. Während sich das Publikum, das die beiden Künstler und ihre unwiderstehliche norddeutsche Trockenheit gut zu kennen scheint, köstlich amüsiert, wird auf der Bühne schließlich klar: die Künstleragentur hat den falschen Pianisten geschickt.

Nun müssen die beiden Nordlichter den Abend versuchen zu retten und das Beste aus der Katastrophe machen. Und das ist gar nicht so einfach, wenn Kothe Giuseppe Verdi anstimmt und Momsen davon ausgeht, dass es dabei um eine Gewerkschaft geht. Zu „La donna è mobile“ aus „Rigoletto“ stellt Schlaumeier Momsen dann auch fest „Das ist doch nicht von Verdi, sondern von Schokocrossies.“

Detlef Wutschik (Hand und Stimme hinter Werner Momsen) und Henning Kothe spielten ihr Programm „Die Werner Momsen ihm seine nicht ganz Solo-Show“ mit andauernder, großer Leidenschaft und zeigten, was aus abgehobenen Pianisten und besserwisserischen Handpuppen herauszuholen ist, wenn die Technik stimmt. Denn sowohl Kothes gekonnte Klavier- und Gesangdarbietung als auch Wutschiks Talent als Puppenspieler, das vor allem zum Vorschein kommt, wenn Werner Momsen zu tanzen beginnt, machten den Abend zu einem Liederabend der besonderen Art. Zu einem Abend zwischen der Arie von Papageno, „Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn“, jeder Menge Spaß und stürmischem Applaus.

Von Indra Hesse

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