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Konsumverweigerer in Einkaufstüten

„Doig – das Musical ohne Gesang, ohne Tanz und mit sehr wenig Musik“


Doigismus ist keine Marke, sondern eine Lebensart: Nicht-Konsum als Kaufanreiz ist die Marketingstrategie, die dahinter steckt. Der englische Dramatiker Greg Freeman hat „Doig – das Musical ohne Gesang, ohne Tanz und mit sehr wenig Musik“ geschrieben, das am Sonnabend, 28. Januar, im Jungen Theater Göttingen Premiere hatte.

Blicken der Welt ins Gesicht: Gintas Jocius als Smith, Dirk Böther als Doig und Franziska Beate Reincke als Daisy (von links).

© Eulig

Göttingen. Doig (Dirk Böther) war Karrierist und Spitzenverdiener, bis ihn eine Peinlichkeit ins berufliche Aus beförderte. Verfolgt von Journalisten und seinem Kollegen Ralph (Felicity Grist), der ihm die Kündigung abverlangen will, taucht er bei seiner Schwester Daisy (Franziska Beate Reincke) unter, die ihr Geld mit dem Vertrieb eines ökologischen Deodorants verdient.

Doigs Psychologe Smith (ein verteufelt guter Gintas Jocius) rät zum Angriff: „Gehen Sie raus und blicken der Welt ins Gesicht und in den Arsch, denn einen schamlosen Menschen kann man nicht mehr demütigen.“ Doig setzt den Rat radikal um. Er wird vom skrupellosen Karrieremenschen zum renitenten Konsumverweigerer und lebt fortan als Eremit im Schrebergarten von Nüssen aus der Vogelfutterstation. Bekleidet mit Vogelkrallenpuschen und ökologisch garantiert unabbaubarer Einkaufstasche (Ausstattung Anja Kreher).

Freemans Ökosatire Doig (Regie Eva-Maria Baumeister) beginnt als eine Mischung aus Variete und Verkaufsveranstaltung. Die Premierenbesucher werden bereites im Foyer auf das Thema  „Ethischer Konsum“ eingestimmt. Auf der Bühne übernimmt dann Doig (noch in weißem Smoking und Steppschuhen) mit seinem atemlosen und komplexen Vortrag über emanzipatorischen Kapitalismus und Depression. Für Böther ist die Rolle schon allein wegen der zu bewältigenden komplexen Textmenge eine enorme Herausforderung, und er beweist sowohl Show- als auch Verkaufstalent. Smith zeichnet mit seinen pseudopsychologischen Monologen und seinem Hinkefuß eine diabolische Komponente. Er predigt Konsumverzicht: „Scheitern ist ein Erfolg“, aber seine Ideologie bricht ein, als er die Chance wittert, Doigs Aston Martin V12 DB 7 zu erben.

Er liefert sich ein Wortgefecht mit Daisy (Franziska Beate Reincke), Doigs Schwester, die meint, Geld sollte innerhalb der Familie recycelt werden. Ralph hingegen hat eine absurde Idee. Er vermarktet Doigs Konsumverweigerung als Label. Das silberne „D“ trägt der als Abzeichen um den Hals, der nichts kauft: „Seht mich an, ich bin ein guter Mensch, ich konsumiere nicht.“ Mit Felicity Grist als Ralph hätte sich Baumeister ruhig von der Vorlage lösen können und eine Chefin einsetzen. Denn Grist hat so gar nichts von einem Mann. Sie macht ihre Sache allerdings gut – oder ist das alles auch wieder nur Etikettenschwindel?

Mit britischem, sehr schwarzem, bösem, aber treffendem Humor sucht das Stück eine Antwort auf die Frage, was absurder ist, die Idee des Doigismus oder die bis zur Absurdität konsumgesteuerte Realität. Das Publikum belohnt die Suche mit viel Applaus.
Wieder im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, am 1., 3., 7., 11., 15. und 21. Februar und am 6. März. Karten­telefon: 05 51 / 49 50 15.

Von Eida Koheil

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