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Heinrich Pachl im Göttinger Apex

„Es ist nicht einfach, eine Westerwelle zu genießen“


"Steckrübenwelle“, „Kühlschrankwelle“: Er ist Jahrgang 1943 und hat so manche Welle erlebt: Die Westerwelle beeindruckt ihn deshalb wenig.

Pointen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit: Heinrich Pachl.

© Heller

Der Kabarettist Heinrich Pachl unterhält mit seinem Programm „Die Spur der Scheine“ gut zweieinhalb stundenlang das Göttinger Publikum im Apex; und das auf scharfsinnigste Weise. Dabei verrichten seine ausgeprägten Augenbrauen Schwerstarbeit und die hohe Stirn legt sich in rekordverdächtig viele Falten. Das ist ziemlich anschaulich, spricht er doch hauptsächlich von Krisen. Er plädiert als Kölner Frohnatur jedoch für ein Genießen der Krise.

So findet er „Kanzlereuse“ Merkel auch in der Regierungs- und Finanzkrise „spitze“. Immerhin habe sie ein Kabinett aufgebaut, in dem das Lügen schwierig sei. Das liege daran, dass die meisten Minister in ihrem Wirkungsbereich keine Ahnung hätten – so falle eben auch das Lügen schwer. Dann erklärt er, wie eine Welle funktioniert: „Beim Sport im Stadion durch Ekstase, die Westerwelle durch Geschwafel.“ Man müsse sich Westerwelle in seiner Badewanne vorstellen, er selbst als verbaler Wellengenerator und dann ginge es eben in die eine Richtung „schwipp“ und in die andere Richtung „schwapp“. So könne man seine Äußerungen deuten und auch fast schon genießen.

Pachl fürchtet, dass der deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg sich in Westerwelle vergucken könnte. Indizien für einen Uferwechsel habe es bei der Bambiverleihung 2009 gegeben. Zu Guttenbergs Frau sei im tief dekolletierten Abendkleid an seiner Stelle aufgetreten mit den Worten: „Denken Sie sich bitte den deutschen Verteidigungsminister in dieses Kleid.“ „Dem Karl Lagerfeld der Feldlager“ sei es außerdem zu verdanken, dass es im deutschen Sprachgebrauch so schöne Unterscheidungen gebe wie „gefühlter Krieg“ und „echter Krieg“. Dies weitet Pachl gern aus: „Die gefühlte Armut ist schlimmer als die echte, dass konnte man an Madeleine Schickedanz sehen.“ Die beiden Begriffspaare kämen eben nur noch bei (gefühlsechten) Präservativen zusammen.

Die Geschwindigkeit in der Pachl agiert ist bemerkenswert, das Spektrum an Politikern, die mit Spott bedacht werden, auch. Bei den Zuschauern sackt gerade die eine Pointe, da hat Pachl schon wieder aus einer zunächst sehr filigran erscheinenden Verbindung eine neue kreiert. Pachls „vertrauensstörende Maßnahmen“ verfehlen ihre Wirkung nicht. Nach diesem Programm ist man vergnügt und auch verzweifelt. Vor allem aber ist man gut unterhalten und fragt sich, warum im deutschen Fernsehen eigentlich hauptsächlich gekocht wird, wenn es doch derart nahrhafte Unterhaltung gibt.

Von Marie Varela

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