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„Boat People Projekt“

Geflüchtet vor Krieg und Misshandlung


Leute fliegen ab, Leute kommen an. Urlauber, Geschäftsleute, Besucher, Flüchtlinge. Flüchtlinge aus Afrika, aus dem Sudan, dem Kongo, Äthiopien – von denen die Europäer sagen, sie sehen alle gleich aus. Doch das Aussehen bestimmt nicht ihre Gleichheit, vielmehr sind die Schicksale das Bindeglied.

Am unwirtlichen Ort der Duldung: Mark Kutah, Jay und Franziska Aeschlimann (von links).

© EF

Das „Boat People Projekt“ hatte jetzt mit seiner zweiten großen Theaterproduktion Premiere im Theater am Alten Flugplatz in der Königsallee.

„Keinsternhotel“ knüpft an die Machart von „Lampedusa“ im vergangenen Jahr an. Wieder stehen Laienschauspieler aus Afrika gemeinsam mit Profis auf der Bühne. Und wieder ist eine Aufführung entstanden, die berührt und aufrüttelt. Vor Augen führt, wie nichtig Luxusprobleme sein können und wie existenzbedrohend ein Leben auf der Flucht. Auch dieses Stück haben Luise Rist (Text) und Nina de la Chevallerie (Regie) erarbeitet. Unterstützt wird das Ensemble unter anderem vom Literarischen Zentrum und der Gesellschaft für bedrohte Völker. Als szenische Lesung war das Stück bereits Teil des Theaterprojekts „Drei Farben Licht“ im vergangenen Jahr in der Klosterkirche in Nikolausberg.

Keinsternhotel ist ein Niemandsland. Der Transitbereich am Flughafen, das Auffanglager für Flüchtlinge – unwirtlich, öde, ein Ort der Duldung, an dem die Zeit still steht.

Eine Frau (Franziska ­Aeschlimann) begegnet auf dem Flughafen einem jungen Afrikaner (Jay). Er ist ein Flüchtling aus dem Sudan. Doch die meisten Informationen über den jungen Mann, auch seine Herkunft, liegen im Dunkeln. Andeutungen lassen allerdings erahnen, dass Jay Krieg und Misshandlung erlebt hat. Jay ist mit seinem Schicksal nicht allein. Im Keinsternhotel leben viele junge Männer, die ihre wahre Geschichte nicht preisgeben, die ihren Müttern in Afrika erzählen, dass es ihnen gut geht und versuchen, ihnen Geld zu schicken, in Wirklichkeit aber nur geduldet sind und auf ein besseres Leben warten. Ein Leben mit Familie, Liebe und Glück. „Es dauert lange, hier anzukommen. Du kannst nur warten“, sagt ein junger Mitbewohner zu Jay. Und der Appell eines Alten (Ambelé Konzi aus der Demokratischen Republik Kongo): „Ihr müsst an Afrika glauben, an eure Väter“, bleibt unbeachtet.

Keinsternhotel ist ein in jeder Hinsicht geglücktes Projekt: Die Laienschauspieler machen ihre Sache wirklich gut. Sie nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise in „die Zukunft, die aus der Vergangenheit kommt“. Der Aufführungsort, der alte Flughafen, eignet sich hervorragend für die Kulisse einer unwirtlichen Ankunftshalle und eines Flüchtlingslagers. Die Reise bleibt nicht nur imaginär. Schauspiel und Videoinstallationen erstrecken sich über drei Orte. Beim Wechseln der Räume entsteht unter den zahlreichen Besuchern ein wenig Gedränge wie beim Passieren einer Passkontrolle. Das allein ist schon genial inszeniert.

Viel Applaus. Eine Zuschauerin sagt nach der Premiere, das Stück habe sie sehr bewegt. Die Frau ist vor langer Zeit aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen und hat eine ähnliche Geschichte erlebt.

Weitere Aufführungen: 29. und 30. September sowie 3., 7., 8., 9., 21. und 22. Oktober um20 Uhr.

Von Eida Koheil

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