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275 Jahre Vandenhoeck und Ruprecht

Gemeinsamkeiten von Lektoren und Pantoffeltierchen


Der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther legt Wert auf gute Beziehungen: Sie fordern und fördern die Gehirnbildung und sie tun gut beim Zusammenspiel von Autor und Verlag.

Vandenhoeck und Ruprecht: Feier im DT mit 500 Gästen.

© Heller

Hüther ist einer von 300 Autoren des Göttinger Verlages Vandenhoeck und Ruprecht. Seit 275 Jahren ist das Unternehmen in Göttingen ansässig: Eine Generation Vandenhoeck und sieben Generationen Ruprecht. Im Deutschen Theater inszenierte am Sonntag das Literarische Zentrum fürs Geburtstagskind das Programm.

Und Hüther beschrieb ein Experiment mit Pantoffeltierchen,die im Überlebenskampf den Austausch mit Artgenossen lernen und allseits profitieren. „So geht es mir mit dem Verlag Vandenhoeck und Ruprecht“, sagte Hüther im Namen der Autoren. Nicht die Struktur, die Kompetenz und die Kreativität der Lektoren stehe an erster Stelle, „sondern das, was dazwischenliegt – die Qualität der Beziehung“.
Die Geschäftsführerin des Verlages hatte eine weitere Qualität im Blick. Karola Müller beschrieb, dass der Verlag seit Beginn Wert auf qualitätsvolle Inhalte lege. Dabei werde es bleiben – im Buch- und Internetangebot.

Damit konnte Gottfried Honnefelder auf Nutzen und Gefahr durch den „Andrang der Technik“ eingehen. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sieht darin einerseits Wissensvermehrung, andererseits werde aber die Meinungsbildung erschwert, denn „jeder sieht etwas anderes“, so Honnefelders Sicht auf die Vielfalt. Die neuen Medien, E-Book oder iPad, seien die „rechtmäßigen Erben des Buches“. Und trotzdem werde das Druckwerk Buch attraktiv bleiben: Noch sei „Jahr für Jahr eine Ausdehnung des Buchmarktes“ festzustellen.

Nach faktenreichen Reden sorgten beschwingte Melodien vom Christoph-Busse-Trio mit seinem Gastpercussionisten Néne Vásquez für musikalische Unterhaltung. Und bevor die „literaturkritische Wurftorte“ von Denis Scheck zum Einsatz kam, machten Vanessa und Rudi (die DT-Schauspieler Karl Miller und Andreas Jeßing) als holländische Quizmaster auf die Vergangenheit aufmerksam. So erfuhren die etwa 500 Gäste, das einst Verlagsgründer Vandenhoeck aus Holland per Zweimaster auf der Weser gen Göttingen reiste und noch einiges mehr aus der Geschichte. Wer im Publikum die richtige Antwort wusste, erhielt eine Flasche Jubiläumssekt.

Die Stücke der literaturkritischen Wurftorte verteilte Literaturkritiker Scheck. Dessen Geburtstagsessay überraschte mit Vergleichen aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“: Scheck ließ den 111. Geburtstag von Bilbo Beutlin Revue passieren und meinte bei Anna Vandenhoeck (1698-1787) eine hobbitähnliche Physiognomie zu erkennen. Und mit einer Passage aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ über die Arbeitsweise von Cheflektoren, bot er Hüther kontra. Und genauso humorvoll sorgte Scheck dann mit seiner Liste der Top Ten-Titel, gute wie schlechte, für eine neue Sicht auf das Traditionshaus Vandenhoeck und Ruprecht.

Schecks V+R-Liste 

1. Janusz Korczak: Wie man ein Kind lieben soll. „Lernt nicht nur lesen, sondern auch leben“. 2. Mark Twain: Zu Fuß durch Europa. „Juwel“. 3. Gottlob Frege: Funktion, Begriff, Bedeutung. „Achterbahnfahrt der Angstlust“. 4. Rainer Schönhammer: Das Leiden am Beifahren“. „Schade, dass dafür ein Baum sterben musste“. 5. Gerhard Paul: Das Jahrhundert der Bilder. „Großartig“. 6. Karl Friedrich Ulrichs: luja. „Nach der Bibel sollten Witze zum Koran folgen“. 7. Hans Jonas: Gnosis und spätantiker Geist. Manuskript von 1933 wurde vom Verlag bewahrt und konnte nach dem Weltkrieg erscheinen. 8. Frans Hoek: Der Fußball-Torwart. „Töffeliger Torwart“ 9. Heide Simonis: Verzockt. „Stammtisch-Suada“ 10. Karl König: Kleine Psychoanalytische Charakterkunde. „Gebrauchsanleitung fürs Leben“.

Von Angela Brünjes

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