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Goethe-Institut Göttingen

Gerrit Zitterbart spielt Beethoven


Göttingens Klaviergemeinde war am vergangenen Donnerstag, 19. November, zum Beethoven-Hochamt ins Goethe-Institut gepilgert. Ihr Zelebrant Gerrit Zitterbart verstand es wieder, mit feinem Humor und berückendem Spiel den Abend von jeder falschen Schwere frei zu halten. „Grenzgänge“ in der Klavierentwicklung um 1800 wollte er darbieten.

Der Wiener Klaviergott: Ludwig van Beethoven (1770–1827).

© EF

Dazu hatte Zitterbart gleich zwei Hammerflügel mitgebracht: einen pedallosen Anton-Walter-Nachbau mit fünf Oktaven und ein nur 15 Jahre jüngeres Instrument (nach Louis Dulcken) mit größerem Tonumfang und einer verbesserten dynamischen Variabilität, die sich unter anderem dem Una-corda-Register des Pedals verdankt. Derlei instrumententechnische Details und was es mit Prell- und Stoßmechanik auf sich hat, erklärte Zitterbart gewohnt kurzweilig.
Von welch hohem kompositorischen Belang für Beethoven diese technischen Entwicklungen im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts waren, zeigte das Programm, in dem Zitterbart zunächst kleinere Werke bot – er habe „unter den unbekannteren Werken gestöbert“. Man täusche sich indes nicht: Derlei Bagatellen und Menuette sind nur ausnahmsweise Leichtgewichte, in ihnen finden sich Tiefempfundenes und Geistreiches, bisweilen schikanöse Etüdenpassagen.
Mit leichter Hand
Das zeigt sich etwa bei der Bagatelle c-Moll, die von Zitterbart rhythmisch akzentuiert ihrer Bezeichnung spottet, bei den teils hochvirtuosen, gleichwohl mit leichter Hand gespielten Variationen WoO 80, mehr noch beim „Andante Favori“. Dieses Stück hatte Beethoven ursprünglich als langsamen Mittelsatz der Waldstein-Sonate komponiert, dann aber ausgekoppelt. Dies ist so verständlich wie bedauerlich, wie Zitterbarts zwingende Darbietung bewies: Wie die unangestrengt-präzise Linke die Beethoven-typischen rhythmischen Finessen tanzen machte – und doch auch tiefer Ernst wiederkehrend aufstieg.
Den Kopfsatz der Waldstein-Sonate versteht Zitterbart nicht gar so schmerzlich wie etwa Claudio Arrau, um einmal einen anderen Beethoven-Priester zu nennen. Er liebt wie der Wiener Klaviergott selbst die waghalsigen Tonartenwechsel, die dynamischen und artikulatorischen Kontraste. Im kurzen Adagio-Mittelsatz hatte Zitterbart das Warten musikalisch erleben lassen, indem er die durch übermäßige Intervalle gespitzten Ohren in die folgenden Pausen hineinzog.
Die Tempo-Anweisung „Allegretto moderato“ im Finalsatz nahm er ernst, statt sich vom folgenden Prestissimo verleiten zu lassen, das Motiv zu verhuschen. Mit höchster Zartheit strich er diese volkstümliche Melodie auf die Tasten, lotete dann deren perkussive Massivität aus, kostete die durch das Pedal bewirkte Zusammenklang von Dur und Moll aus, stürzte sich in mächtige Akkord-Kaskaden und nahm schließlich die Stretta auffallend spitz.
Die vollends begeisterten Beethovenianer werden das nächste Konzert – am 10. Dezember am selben Ort, unter anderem mit der Sonate „Les Adieux“ und der späten E-Dur-Sonate op. 109 – kaum erwarten können.

Von Karl Friedrich Ulrichs

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