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Transatlantisches Musikprojekt

Göttinger gründet Band mit US-Musikern


Acht Folk-Alben hat der Göttinger Jan Hauenstein mit seiner Band seit 2004 eingespielt. Seine Musikerkollegen hat er in den ersten Jahren gar nicht gesehen. Sie leben in den USA, die Musik wird per Internet hin und her geschickt. Inzwischen stellen sich erste Erfolge ein.

Hausmusik: Jan Hauenstein (links) in Scottsdale/ Arizona bei Fred Grittner.

© EF

Vor dem Haus steht der Motorroller von Jan Hauenstein. Mit dem komfortabel ausgestatteten Zweirad fährt er zu seinen beiden Arbeitsstellen. Er ist Lehrer am Institut für internationale Bildung und Kommunikation und an der Arnoldischule. In seinem Arbeitszimmer wird klar, was Hauenstein darüber hinaus bewegt: die Folkmusik.

An den Wänden reihen sich fein säuberlich sortiert CDs. Auf rund 2800 Alben schätzt Hauenstein die Sammlung, die meisten davon hat er mit Aufkommen des Silberlings von seiner Langspielplatten-Sammlung digitalisiert. Darüber stehen Flaschen mit edlen Whiskey-Sorten. Hört man Hauensteins sonore Stimme, meint man, er habe damit gegurgelt. Acht Gitarren stehen vor den Regalen auf Ständern. Eine E-Gitarre habe er sich aus Einzelteilen zusammengebaut, erzählt Hauenstein, einer anderen amputierte er die Bünde. Eine kleine Gitarre zieht er aus einem Winkel, „meine Black Beauty“, nennt er das Saiteninstrument zärtlich. 

Eher unscheinbar lagert Hauenstein im Regal den zentralen Baustein, der seine eigene Musik möglich macht: ein Aufnahmegerät mit Mischpult. Hier spielt er Gitarre und Gesang ein, bevor er die Soundschnipsel auf den Weg über den großen Teich schickt – über eine Internetseite übrigens, über die kostenlos große Datenmengen transportiert werden können (www.yousendit.com).

In den USA nehmen seine Musikerkollegen Charlie Woodward and Art Faller die Sendung in Empfang und steuern ihren musikalischen Teil bei. Wie auch Hauenstein gehen die beiden geregelten Berufen nach. Woodward arbeitet als Versicherungsagent, Faller ist Unternehmensberater. Zwischen einer Woche und drei Monaten dauert die Produktion eines Liedes, sagt Hauenstein: „Je nachdem, wie die Herren Zeit haben. Oder ob sie gesund sind.“ Bisweilen sind weitere Musiker wie Fred Grittner beteiligt.

Ende 1977 fing Hauenstein, Jahrgang 1955, an, sich ernsthaft mit Musik zu beschäftigen. Er begann, Gitarre zu spielen. „Seit 1977 lerne ich, wenn ich es zeitlich ermöglichen kann, jeden Tag eine Song“, erzählt er. Seine Leidenschaft für den Singer/ Songwriter John Steward führte ihn zu seinen US-amerikanischen Musikerkollegen, die ebenfalls Fans sind. In einem Stewart-Internetforum haben sie sich kennengelernt, sagt Hauenstein. 

Im Oktober 1985 besuchte er Faller  gemeinsam mit Charlie Woodward erstmals in dessen Heimat, der 10000-Einwohner-Stadt Weston in Connecticut. „Wir haben Musik gemacht und ein bisschen aufgenommen“, berichtet Englischlehrer Hauenstein von dem Treffen. Auch Woodward hat er bereits besucht, gemeinsam spielten sie einen Tag lang Stücke im renommierten Treesound-Studio ein, wo schon Beyonce und Elton John gearbeitet haben. Ein Glücksfall öffnete ihnen die Türen: „Charlies Sohn ist dort Produzent, er hat seinem Vater diesen Aufnahmetag zum Geburtstag geschenkt.“

Inzwischen stellen sich erste Erfolge ein. Das Internetportal „efolkmusic“ veröffentlichte einige Hauenstein-Aufnahmen. Im Februar kürte ihn dessen Chef Chris Frank zum Künstler des Monats. „Ich bin fast umgefallen, als ich das gesehen habe“, meint Hauenstein. Und in dem Portal „folkalley“ des gleichnamigen Radiosenders, eine Plattform für Musiker ohne Plattenvertrag, wo Hauenstein selbst Lieder eingestellt hat, zählt er in verschiedenen Charts zu den Top Ten. 

Seinen letzten Auftritt in Göttingen hatte Hauenstein übrigens 1993 im Nörgelbuff. Hauenstein erinnert sich außerdem an die Teilnahme an einem Talentwettbewerb an gleicher Stelle mit seiner Band The Real McCoy: „Gewonnen hat damals Ganz Schön Feist“.

Von Peter Krüger-Lenz

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