Spitzentitel im literarischen Herbstprogramm ist der Roman „Ein verborgenes Leben“ des irischen Autors Sebastian Barry. Er erzählt eine Geschichte von Erinnerungen aus verschiedenen Blickwinkeln, wobei die Wahrheit sich Stück für Stück enthüllt – zugleich erzählt er die Geschichte der tragischen irischen Konflikte, der historischen Verstrickungen von Konfessionen, Herrschern und Beherrschten, von Freunden, die zu Feinden werden. Ein faszinierendes Buch, 2009 zum Roman des Jahres beim Irish Book Award gewählt (392 Seiten, 19,90 Euro). Wie ein SED-Parteibuch ist Erich Loests Erzählung „Wäschekorb“ ausgestattet: eine Geschichte von 100 Jahren Glanz und Elend des Sozialismus in Deutschland (112 Seiten, 9,90 Euro).
In den Kleidern der Tante
Ergänzt wird das literarische Programm durch das deutsche Romandebüt eines französischen Autors. Mit „Balthazar, Sohn aus gutem Hause“ liegt erstmals ein Werk des in Frankreich viel beachteten Schriftstellers FranÇois-Marie Banier, geboren 1947 in Paris, in deutscher Sprache vor: ein Roman über eine bizarre Familie, erzählt von dem aufmüpfigen Sohn, der nachts gern in den schönen Kleidern seiner Tante durch Paris flaniert (240 Seiten, 19,90 Euro).
Das Fotobuch-Programm bietet neben einem aktuellen China-Schwerpunkt einen Band über den legendären Sportwagen Bugatti (96 Seiten, 78 Euro), einen umfangreichen Band über das Schaffen der Fotografin Herlinde Koelbl mit 250 Bildern (300 Seiten, 28 Euro) und das Porträt des Hamburger Stadtteils St. Georg mit 52 Schwarzweiß-Fotografien von Dirk Reinartz (96 Seiten, 32 Euro, erscheint im Dezember). Zum Gedenken an das Ende des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren ist der Band „East – zu Protokoll“ herausgekommen: eine poetische Chronik in Bildern (192 Seiten, 38 Euro).
Von Michael Schäfer
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