„Vitale Musizierfreude gegen Winterdepression“ hätte man das Konzert auch betiteln können, in dem das Orchester Göttinger Musikfreunde (OGM) unter der Leitung von Johannes Moesus mit charmantem Schwung und romantischen Klängen für die zahlreichen Zuhörer das Schmuddelwetter zumindest eine zeitlang vergessen ließ. Zum Aufwärmen hatte sich das Orchester die Freischütz-Ouvertüre von Carl Maria von Weber vorgenommen, die wie in einem Brennspiegel die Themen der Oper zusammenfasst. Bereits hier erwies sich das OGM als ein engagierter und sehr differenziert agierender Klangkörper. Moesus arbeitete die naiv-spielerischen Themen genauso exakt heraus wie die düster-drohenden Szenen und schuf so mit seinen Orchestermusikern ein getreues Abbild der Oper, die zu den beliebtesten im deutschen Repertoire zählt.
Romantisch ging es im Programm weiter mit Ferdinand Davids Concertino für Posaune und Orchester in Es-Dur – ein virtuoses Werk, in dem der Posaunist Roman Usenko meisterhaft die Vielfalt der Posaunenklänge von schmetternder Lautstärke bis zum weichen lyrischen Klang demonstrieren konnte. Für den begeisterten Applaus bedankte er sich mit Leornard Bernsteins „Elegy for Mippy II“, ein kurzes, humorvolles Stück, das jazzige und volkstümliche Elemente mit klassischen verbindet. Bemerkenswert ist dieses Stück vor allem für seine Begleitung durch die Füße des Posaunisten, die den Rhythmus der Melodie unterstützen.
Nach der Pause gönnte Moesus dem Publikum mit Beethovens 1. Sinfonie nach der Freischütz-Ouvertüre noch einen weiteren „Aha“-Effekt. Dieses Werk, das im Vergleich zu den vorausgegangenen noch fest in der Tradition der frühen Wiener Klassik von Haydn und Mozart steht, interpretierte Moesus in leicht federnder und auf Klarheit und Durchsichtigkeit abzielender Gestaltung. Am Anfang des ersten Satzes überzeugten die Holzbläser im homogenen, klangvollen Satz, bevor sich das gesamte Orchester zum Thema aufschwingt. Einem eher tänzerischen denn lyrischen Andante folgten das vorwärtsdrängende Menuetto und wirbelnde Finale, das das Publikum mit tosendem Applaus beantwortete.
Von Claudia Oelze
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