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Jessy Martens und Jan Fischers Blues Support

Reife Leistung von junger Röhre


Es wird in vielen Musikrichtungen bekanntlich nur all zu schnell herausposaunt, man hätte wieder ein neues Wunderkind gefunden. Schnell werfen die Medien mit Superlativen um sich und ebenso schnell ist der Spuk dann auch meistens wieder vorbei. Auch die Bluessängerin Jessy Martens, die im Rahmen des Göttinger Kultursommers im Alten Rathaus gastierte, wird derzeit mit Lobhudeleien überhäuft, allerdings – das müssen jetzt jene, die ihre Stimme noch nicht kennen einfach glauben – völlig zurecht!

Überzeugend: Sängerin Jessy Martens mit Ralf Böcker.

© Heller

Göttingen. Das 23-jährige Energiebündel hat eine Stimme, die eigentlich auf ein höheres Alter schließen lassen dürfte. Da man das einer Dame aber nicht sagt, wäre es vermutlich klüger, die Reife, den dreckigen Verve und den Ambitus ihrer Röhre zu loben, der weder Höhen noch Tiefen vermissen lässt. Erstaunlich, wie selbstverständlich und ehrlich sie sich große Bluesnummern zu eigen macht. So gab es mit Titeln wie „Stormy Monday“, „Mess around“ und „Let the good times roll“ zwar keine Eigenkompositionen zu hören, aber die Interpretationen waren zu jeder Zeit persönlich und auf hohem musikalischen Niveau. Denn wer es schafft, ein deutsches Publikum beim ersten Versuch auf zwei und vier klatschen zu lassen, versteht sein Handwerk.

Dass dies gelang, ist aber auch Martens‘ Band zu verdanken: Obgleich sie ihre Männer während des Auftritts merklich im Griff hatte, handelt es sich bei allen drei Instrumentalisten um ausgereifte und eigenständige musikalische Persönlichkeiten.

Daniel Paterok zeigte, dass er sich am Klavier souverän durch die Jazzgeschichte spielen kann, obwohl sein Schwerpunkt natürlich im Blues- und Boogiepiano liegt: Nach Belieben wechselte er zwischen klassischer Stride-Begleitung eines Art Tatum und subtileren Bebop-Voicings, die an Bud Powell erinnern.

Am Tenorsaxophon war mit Ralf Böcker ein alter Göttinger zu hören, dessen rußiger Ansatz wie eine Erweiterung von Martens Organ und die Sängerin intelligent begleitete. Aber auch als Solist muss sich Böcker nicht verstecken: Wie auch Paterok zeigte er, wie dicht Funk, Swing und Blues beieinander liegen können.

Am Schlagzeug saß mit Christian Kolf der wohl zurückhaltenste Zeitgenosse des Abends, was im positivsten Wortsinne verstanden werden darf. Wenn alle anderen Musiker permanent Feuer sprühen, braucht es wen, der einen kühlen Kopf bewahrt und die Band zusammenhält. Kolf gelang dies außergewöhnlich gut, stellte bei einem ausgedehnten und technisch wunderbar ausgeführten Drumsolo allerdings auch unmissverständlich klar, dass man seine Ruhe nie mit Schüchternheit verwechseln sollte.
Angesichts dieser kollektiven Leistung bleibt also nur, in den allgemeinen Chor der Begeisterung um Jessy Martens einzustimmen. In ihrem Falle ist sowieso nicht davon auszugehen, dass sie sich mit weniger zufrieden gibt.

Von Jonas Rohde

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