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„Bobbin B.“ im Göttinger Live-Club Exil

Ska, Punk, Swing und Rock‘n‘Roll


Wie oft müssen wir eigentlich in Göttingen spielen, damit wir mal soviel Publikum haben wie Rosenstolz in der Stadthalle, fragt Boppin’ B. Sänger Michael Treska auf der Exil-Bühne. OK, der Kellerclub ist luftig gefüllt, aber die Leute, die gekommen sind, zeigen vielfach Flagge, tragen Band-T-Shirts und gehen begeistert mit.

Spielen in allen Lebenslagen: „Bobbin B.“.

© Mischke

Auf CD schon hervorragend produziert, können „Boppin’ B.“ live noch eine Schippe nachlegen. Mit Spielfreude, intelligentem Humor und artistischen Einlagen wissen sie ihre Zuhörer mitzureißen. An Bühnenerfahrung mangelt es den fünf Aschaffenburgern weiß Gott nicht: seit 25 Jahren haben sie über 4000 Konzerte gespielt. Musikalisch wütet die Band, im positiven Sinne, im Rock’n’Roll der Fünfziger Jahre, den sie geschickt und vielfältig mit Anleihen aus Ska, Rockabilly, Punk oder gar Swingelementen zusammenfügt.

Neben einigen, gewieft auf Rockabilly gebürsteten Coverversionen, wie „The Look“ (Roxette), „I cant’ dance“ (Genesis) oder „King of Bongo (Manu Chao), haben „Boppin B.“ zahlreiche exzellente Eigenkompositionen im Live-Programm. Ganz stark: „Hot Rod Girl“ und „Mercury“. Einige Titel gibt’s sogar auf Deutsch und auch das funktioniert. Zugegeben, Zeilen wie: „Heute geht’s uns gut, heute ist ein toller Tag, denn wir spielen heut’ im Mädcheninternat“, strotzen nicht vor Intelligenz, erhöhen aber den Fun- und Mitsing-Faktor immens. Gepaart mit einem kräftigen Schuss Selbstironie entfesseln die Musiker so ein Feuerwerk der guten Laune, das sich im Nu auf das Publikum überträgt. Zum Running-Gag des Abends avanciert die gebrüllte Antwort auf die übliche Band-Standardfrage ans Publikum: „Do you feel allright?“ „Scheißkapelle“, schallt es aus dem Saal zurück.

Dabei erweisen sich die Fünf als Könner an ihren Instrumenten. Sänger Treska gibt den fränkischen Elvis mit viel Schmelz in der Stimme und hochgezogener Braue. Gitarrist Golo Sturm, er hat auch die Rolle des Bandkomikers übernommen, entlockt seiner warmtonigen Gretsch vollmundige Riffs in authentischem Rock’n’Roll-Sound. Bassist Didi Beck ist der Artist unter den Musikern. Er spielt seinen schwarzen Kontrabass in nahezu allen Lagen: im Liegen, auf den Knien, auf dem Kopf und manchmal erklettert sogar Saxofonist Frank Seefeldt das augenscheinlich stabile Instrument. Je später der Abend, desto frenetischer feiern die Besucher ihre Band und erst lange nach Mitternacht ist ein starkes Konzert zu Ende.

Von Christoph Mischke

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