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„Sparen bis kaputt“

„Theater muss sein“, aber wo, wie und für wen?

Von Angela Brünjes

Sie sollten Utopien formulieren, die das Theater zukunftsfähig machen, und mühten sich mit der Beurteilung der Lage der Theater in Deutschland. „Sparen bis kaputt. Wie bedroht ist unser Theater?“ hatte das Deutsche Theater in Göttingen seine Podiumsdiskussion betitelt, die vier Fachleute aus dem Kulturbereich auf die Bühne des Großen Hauses brachte, um vor 65 Zuhörern in einem Einigkeit zu zeigen: „Theater muss sein“.

Theater unterwegs: „Stadt in Zukunft“ heißt ein DT-Projekt, das an verschiedenen Orten neue Theaterformen zeigte.

© Theodoro da Silva

Die öffentlichen Haushalte stecken in einer finanziellen Krise und die Kultureinrichtungen bekommen sie zu spüren. Landauf, landab werden Etats gekürzt und dazu gehört auch die finanzielle Unterstützung von Theatern, auch in Göttingen. Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) zugleich auch Sozialdezernentin, erklärte, warum kulturelle Aufgaben früher als andere gestrichen werden können: „Im sozialen Bereich hat die Kommune gesetzliche Ansprüche zu erfüllen, aber im Kulturbereich handelt es sich um freiwillige Leistungen.“

Dennoch werde sie es nicht zulassen, dass es zu Schließungen komme. „Ich habe das Ziel, die Göttinger Kultureinrichtungen durch die Krise zu führen“, so Schlapeit-Beck. Sie will keine Kultureinrichtung opfern, damit andere weiterbestehen können.
Als Vorsitzender der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins kommt Ulrich Khuon viel im Land herum – als Helfer in Wuppertal, Dessau, Rudolstadt. Der Chef des Deutschen Theaters in Berlin hilft andernorts mit Aufführungen und Argumenten, um Theater in Not zu unterstützen. Die Verankerung des Kulturauftrags im Grundgesetz helfe dabei und sei so wichtig wie der Anspruch an die Theater, andere Wege zu gehen und sich damit neuen Zuschauern interessant zu machen.

Der Beitrag der Theater zur ästhetischen Erziehung sei wichtiger als die Zielvorgabe, mit Schließungen kommunale Haushalte sanieren zu können. „Die Rettungsdimension und die Zerstörungswut passen nicht zusammen“, so Khuon, weil durch eine Schließung nirgendwo ein kommunaler Haushalt zu sanieren sei.
Aber wenn Theater erhalten werden sollen, müssen sie dann alles beibehalten wie bisher, fragte Wolfgang Schneider, Professor am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Er sehe nur Ensemble und Repertoire als Grundfeste. Und er könne nicht verstehen, warum das Theater in Wuppertal, das künftig zwei Millionen Euro weniger erhalten soll, „nicht mit vier Millionen Euro anderes Theater machen kann“, so Schneider, der auch Mitglied der Enquetekommission Kultur in Deutschland ist.

Schneider forderte, Kindern mehr Theatererfahrung im Schulalter zu ermöglichen. Dazu gehöre darstellendes Spiel in den Lehrplänen und für jedem Kind einmal im Jahr die Gelegenheit zu geben ins Theater zu gehen im Rahmen des Schulunterrichts über die Grundschulzeit hinaus.
Für Kulturdezernentin Schlapeit-Beck sind das in Göttingen erreichbare Ziele, weil hier kulturpädagogische Angebote in den Schulen, dem Groner Nachbarschaftszentrum oder im Stadtteilzentrum Leineberg gut angenommen werden. Um die kulturelle Teilhabe zu verbessern, seien in den Theaterhäusern Inszenierungen in „türkischer oder arabischer Sprache und mit deutschen Untertiteln“ denkbar.

Neue Spielstätten, andere Darstellungsformen sind auch die Sache von Theatermann Khuon. Dennoch warnte er vor einem Zuviel an Projekten: Das könne dazu führen, dass die Zuschauer das Theater im Großen Haus links liegen ließen, berichtete er von eigenen Erfahrungen. Aber, jede Spielzeit hat ihre Eigenarten ebenso wie jeder Theater-Standort. „Die wissen vor Ort am besten, was zu tun ist“, so Khuons Absage an Patentrezepte. Vielleicht ergibt sich die aus seiner Überzeugung: „Kultur wird nie in einer Zone sein, in der sie in Ruhe gelassen wird.“ Und deshalb konnte Moderator Thomas Lang, Programmleiter Theater an der Bundesakademie Wolfenbüttel gegen Ende der eineinhalbstündigen Diskussion feststellen: „Theater wird sein“.

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