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Unibigband und David Friedman

Viel Charme auch im orchestralen Format


Größer könnten die Gegensätze kaum sein: Hier der entspannte Popjazz von Pat Metheny, dort der heiße Swing eines Count Basie – da treffen stilistische Welten aufeinander. Doch die Unibigband „XY Jazz“ vereinte diese Kontraste am Sonnabend, 8. Oktober, im Deutschen Theater. Zusammen mit dem amerikanischen Starvibrafonisten David Friedman bewies die Formation, wie modern Bigband-Jazz sein kann.

Heißer Swing: die Unibigband „XY Jazz“ unter Detlef Landeck im Deutschen Theater.

© Heller

Göttingen. Erst einmal muss man die Unibigband und ihren Leiter Detlef Landeck beglückwünschen: Lang war die Schlange vor der Theaterkasse mit Jazzfans, das Deutsche Theater mit einem gemischten Publikum sehr gut besucht und mit dem Solisten David Friedman gastierte einer der weltbesten Vibrafonisten in die Leinestadt. Der Abend bewies: Mit dem richtigen Konzept können Jazzkonzerte auch in Göttingen sehr erfolgreich sein.

Entspannt begann der Abend mit den eingängigen und sanften Melodien von Pat Metheny. Zusammen mit dem Pianisten Hans Kaul zeigte die Bigband bei bekannten Stücken wie „Talk“, „Have you heard“ oder „See the world“, dass die poppige Musik des Gitarristen auch im großorchestralen Format sehr viel Charme hat. Der Bigband gelang es, die Spannungsbögen dieser komplexen Kompositionen hervorragend auszureizen und mit spannenden Soli zu schmücken.

Im Anzug und Fliege betraten die Musiker nach der Pause die Bühne zum Count-Basie-Programm: hitzige Swing-Evergreens wie „One O’Clock Jump“, „Told you so“ oder „Shiny Stockings“ brachte die Band auf den rhythmischen Punkt.Hier nahm Gregor Kilian den Platz am Piano ein, und Hanna Carlson gastierte als Sängerin.

David Friedman setzte den Stücken mit wunderschönen, meist lyrisch angehauchten Soli das i-Tüpfelchen auf. Der 67-jährige Musiker, der bereits mit Chet Baker, Joe Henderson oder Bobby McFerrin arbeitete, improvisierte wie im Rausch mit vier Schlegeln in der Hand und einem Lächeln im Gesicht auf dem Vibrafon und dem Marimbafon. Auch die Solisten der Bigband boten ergreifende Momente: Unvergesslich das packende Duo, das die hochtalentierte Altsaxofonistin Christine Paulus mit David Friedman spielte, das ausgelassene Schlagzeug-Solo des energiegeladenen Drummers Tobias Schulte oder Thomas Kochs Gitarrensolo im Metheny-Stil.

Die vom Publikum gefeierte Band spielte als Zugabe je ein Stück von Metheny und Basie. Spätestens hier zeigte sich die Gemeinsamkeit der beiden Jazzlegenden noch einmal: Von beiden stammen Werke, die unvergänglich im Ohr bleiben.

Von Udo Hinz

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