Als verrücktester „Freizeitberater“ wird er von einer Stimme aus dem Off vor seinem Erscheinen auf der Bühne angekündigt. Was soll an dem denn so verrückt sein? Das fragen sich vielleicht welche, die Panzer, der vor allem durch seine Scherzanrufe bei verschiedenen Radiosendern populär wurde, zuvor noch nie erlebt haben. Aber Kenner wissen, dass das Blümchenhemd, das da so ordentlich im Hosenbund steckt, so völlig bürgerlich, ganz normal und unschuldig wirkt, nur Tarnung ist. Gerade diese suggerierte Naivität ebnet nämlich den Weg für seine Pointen.
Das ist „Familie Heinz Becker“ – Humor 2.0. Wie Heinz’ Frau, heißt auch Pauls Gattin Hilde. Diese kann aber leider an jenem Abend nicht da sein, sie ist mit Sohn Bolle zum Abnehmen in Amerika. „Ooooh!“ schallt es aus dem Publikum. Ja, das sei wirklich bedauernswert, meint auch Panzer, aber für den 34-jährigen Sohnemann heiße es jetzt endgültig Diät. Schlimm sei nämlich, dass dieser denke, der Obstteller auf dem Küchentisch sei nur dazu da, die Fliegen von der Currywurst fernzuhalten.
Das war der erste Gag. Sofort ertönt lautes Gelächter aus dem Zuschauerraum, dabei fängt der Stand-Up-Comedian gerade erst an. Gekonnt witzelt er über jedes erdenkliche Thema, das irgendwie, wenn auch manchmal nur sehr entfernt, mit „Freizeit“ zu tun hat.
Radfahren, Rauchen, Reisen, Reeperbahn, von allem weiß Panzer etwas zu berichten. Er hat ja schon mal, so war das nämlich, haben Sie denn noch nie? Jede dieser Episoden wirkt komisch, die Zuschauer sind gebannt, freuen sich immer, wenn Sie nach ihrer Meinung gefragt werden.
Nebenbei erhalten sie Lektionen in englischer Sprache. Einen Kurs für Anfänger, sozusagen. Paul, der selbst Silben falsch trennt und betont, alle Fremdwörter prinzipiell eindeutscht, muss nämlich empört feststellen: „Ihr könnt alle gar kein Englisch!“ So stehe die Aufschrift „House of Pain“ an einer Fitnessstudiotür für „Hantel-Häuschen“, und überhaupt sei das richtige Wort für entspannen lange nicht mehr „Rumliegen“ sondern nur noch „Chillen“. An dieser Stelle verhaspelt er sich. Das gibt der Comedian allerdings direkt zu („Mist, da habe ich jetzt einen Gag verhauen!“) und sammelt so noch mehr Sympathiepunkte beim Publikum. Passt auch irgendwie ganz gut zur Figur Panzer, dass nicht immer alles nach Plan läuft.
Kurz vor der Pause muss er dann einmal selber so sehr lachen, die Show stockt eine Weile. So wirkt es jedenfalls. Vielleicht tat der Schauspieler auch nur, was er am besten kann: schauspielern. War der vermeintliche Fauxpas Part des Programms? Diese Frage bleibt ungeklärt.
Trotzdem hat Tappert alias Panzer an diesem Abend ein kunterbuntes Programm geboten, dass dank der vielen verschiedenen angesprochenen Themen sowohl die junge „Sponge-Bob-Generation“, als auch die „alten Oppis“, wie er seine Zuschauer kategorisiert, belustigt hat. „Rrrrrrichtiiig“, würde Panzer sagen.
Von Sarah Lodder
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