Göttingen. Das studentische Theater im OP (ThOP) in Göttingen nimmt sich in seiner Inszenierung, die am Mittwoch Premiere hatte, der Figuren und ihrer wechselhaften Beziehungen und Befindlichkeiten an.
Sibille Rigler, die für Regie und Choreographie der Tanzszenen verantwortlich zeichnet, aber auch eine eigene Übersetzung des Stücks erstellte, hat die Handlung aus dem Russland des 19. Jahrhunderts in die USA der frühen 1950er Jahre verlegt. Als Multitalent tauchte Rigler dabei nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch auf der Bühne auf: Als Mascha, Tochter der attitüdenreichen, zu altern beginnenden Schauspielerin Irina Arkadina (gespielt von einer herrlich zickigen Myrtha Dorothee Werner).
Arkadina und ihr Liebhaber, der Schriftsteller Boris Trigorin (Thomas Haftka) sind Grund und/oder Auslöser zahlreicher Verwicklungen, Wut- oder Lachanfälle des restlichen Personals auf der Bühne. Leicht verschroben und klischeehaft überzeichnet sind sie alle und – wie es Arkadinas Bruder Pjotr Sorin ausdrückt (ein an einen alternden Johnny Depp erinnernder Elmar Puzic) – eher scheintot als lebendig.
Rigler und ihrem Ensemble gelingt es, die Handlung stilecht und charmant in die neue Epoche zu übertragen. Pfiffige Auflockerungen im der Inszenierung bilden Tanzszenen von flottem Twist bis zur düsteren Amy Winehouse. Außerdem gibt es Einspieler aus Irina Arkadinas Filmen zu sehen – humoristische aber stilistisch treffend gelungene Interpretationen aus „City Lights“ und „Casablanca“.
Eigentlich weiß man gar nicht so recht, warum die Figuren so unzufrieden sind. Es könnte doch alles so schön sein. Zum Glück ist das Publikum anders, denn so kann es ein sehr gelungen inszeniertes Stück zwischen Tragödie und Komödie erleben, das sicher zur Zufriedenheit beiträgt.
Weitere Vorstellungen: 13., 14., 17., 19., 20., 21., 25., 27. und 28. Januar um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käthe-Hamburger-Weg 3 in Göttingen.
Von Isabel Trzeciok
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