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Uraufführung

Zwei Frauen und ein Geheimnis

Von Peter Krüger-Lenz

Die eine ist mondän, unter einem ausladenden Hut verdeckt eine große Sonnenbrille viel Gesicht. Die andere jammert über Sommerkleidung, die zu eng geworden ist. Beide packen ihren Koffer, denn sie fahren in den Urlaub nach Marokko. Dort werden sie sich treffen und anfreunden. „All inclusive“ haben sie gebucht, und so heißt auch das Stück der Göttinger Theatermacher „Boat People Projekt“, das am Dienstag Uraufführung hatte – in der Orientlounge des Hotels Freizeit In.

Mondän und geheimnisvoll: Kim (Nomena Struß).

© Reimar de la Chevallerie

Göttingen. Kim ist die mit dem schicken Kleid,d der auffälligen Kopfbedeckung und der Aura des Geheimnisvollen. Ella leidet unter ihrer Doppelbelastung als Buchhändlerin und Haushaltsmanagerin. Sie fühlt sich ausgebrannt und will eine Auszeit. Eine Woche Urlaub, aber all inclusive, meint der Ehemann, der sich um das Wohlergehen der Gattin im wilden Nordafrika sorgt. Nach anfänglichem Gehakel kommen die Frauen sich näher, Ella, die fasziniert ist von Kim, die abenteuerlustig in die Wüste will, mit glutäugigen Marokkanern flirtet und manchmal so sehr schwankt in ihren Stimmungen.

Luise Rist hat dieses Stück auf Anregung des Hospizes an der Lutter in Göttingen geschrieben, einer Einrichtung, in der unheilbar Kranke die letzten Wochen ihres Lebens verbringen. Man ahnt also, was für ein Geheimnis Kim verborgen in sich trägt – sie wird bald sterben.
Nina de la Chevallerie hat diese Geschichte mit zwei starke Frauen inszeniert und dabei ganz auf die Strahlkraft, Emotionalität und Würde von Nomena Struß als Kim und Franziska Mencz als Ella verlassen. Beide spielen berührend in einem Szenario, das sehr selbstverständlich daher kommt und von der Regisseurin mit wenigen klugen Gängen für die Frauen strukturiert wurde.

Die Bühne, entworfen von Steffen Mutschler, fügt sich ins Bild. Sie ist schlicht: eine Leinwand, eingefügt in einen schweren, allerdings nicht mehr intakten Goldrahmen, bietet Schwingtüren und Projektionsfläche für Videos von Reimar de la Chevallerie, die verorten und Metaebenen öffnen. Und Hans Kaul spielt live dazu Musik, die mal ironisierend, mal unterstützend, viel Atmosphäre schafft. Ein schwieriges Thema, sensibel umgesetzt.

Die nächsten Vorstellungen: 19. Juni sowie 2., 3. und 4. Juli um 20 Uhr, am 1. Juli um 20.30 Uhr im Hotel Freizeit In, Dransfelder Straße 3. Kartentelefon: 05 51 / 90 010.

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