Körperbetont: Hennig in Bauchlage auf der Brücke am Waageplatz über den Leinekanal.
Einen ganzen Tag lang streifte das Team des Festivals mit dem Tontechniker durch Göttingen und Umgebung. Mit zwei großen Mikrophonen und einem Aufnahmegerät begann die Arbeit mit ganz leisen Tönen im frühmorgendlichen Leinetal. Darauf folgten die ganz eigenartigen Arbeitsgeräusche in der Saline Luisenhall. Von dort ging es in die menschenüberströmte Bahnhofshalle – die hier angekündigten Züge wurden kurz darauf unter der Godehard-Unterführung belauscht.
Ganz ruhig wurde es für kurze Zeit am Teich des Botanischen Gartens, wo nur das Knirschen des Kieses und der Verkehr am Nikolausberger Weg die Stille durchbrachen. Auch im Lesesaal der niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek herrschte vorwiegend eine ruhige Lernatmosphäre, die nur hin und wieder unterbrochen wurde vom charakteristischen Knirschen der Rollläden, das wohl jedem Göttinger Studenten bestens bekannt ist – genau wie der mittägliche Lärm vor den Kassen der Zentralmensa auf dem Campus. Nach dem dortigen Mittagessen wurden die Klänge der Innenstadt eingefangen: das Gewusel rund um den Gänselieselbrunnen vor dem Alten Rathaus, das Rauschen des Leinewassers unter der Brücke zwischen Waageplatz und der Straße „Am Leinekanal“, das Knarren der alten Tür im Künstlerhaus, die klappernden Pflaster-
steine vor dem Zindelhof.
Angenehm kühl war es in der Nähe des Wasserspiele vor dem Neuen Rathaus. Natürlich durfte das Glockenspiel in der Langen Geismarstraße nicht fehlen, das täglich um 16 Uhr erklingt, genau wie das Schlagen der Glocken der Albanikirche, die alle Viertelstunde die Uhrzeit verkünden. Den Abschluss bildete das einladende Klingeln im Foyer des Deutschen Theaters, das jeden Abend die Zuschauer auf ihre Plätze ruft.
Diese 15 Göttinger Klangorte werden nun zusammengefasst zu einer „Soundmap“, die Anfang August auf der Internetseite des bundesweiten Projektes „sounding D“ zu sehen und hören sein wird. Einige Beispiele sind schon jetzt auf der Internetseite des Tageblattes zu finden. Doch die Hörpunkte können nicht nur im Internet angeschaut und angehört werden. Wer die akustischen Landkarten live erleben möchte, kann sie auch in einem „Soundwalk“ ablaufen. Auf diesem Hörspaziergang können die Göttinger dem Klang ihrer Stadt nachspüren.
Außerdem werden die Göttinger Klänge Teil des Ausstellungs- und Klangzuges des Projekts „sounding D“ sein, das über zwei Wochen einen klingenden Sonderzug in einer großen spiralförmigen Bewegung durch ganz Deutschland schickt. Dieser Klangzug wird am Abschlusstag des Festivals „Linien – ein Festival für Neue Musik“, am Montag, 30. August, um 11.30 Uhr im Göttinger Bahnhof einfahren.
Im Inneren des Zuges hat der Komponist und Klangkünstler Robin Minard das Material, das sowohl live vor Ort der Hörpunkte als auch im Internet zu hören ist, zu einer mächtigen Klanginstallation zusammengefasst. Hier sind nicht nur die Klänge aus Göttingen, sondern aus 14 weiteren deutschen Städten zu hören. Am „sounding D“-Tag des Festivals können Besucher im Klangzug an der klingenden Landkarte der Reiseroute durch Deutschland mitkomponieren.
Das Team um Minard bietet Hörbegleitungen an, auf denen die Landschaft um den Göttinger Bahnhof musikalisch erfahrbar wird. Auf diesen Klangwanderungen werden weitere Glanzlichter um die Bahnhofsgegend herum gesammelt, die der Zug auf seiner Weiterreise mitnimmt.
eb
Ein langer Tisch in irgendeinem Lehrerzimmer, irgendwo im Land. Die Szenerie authentisch und tragisch real, die Rollenklischees so alt und doch so treffend. „Lehrernacht“ heißt das Drama von Bodo Kirchhoff, das am Mittwoch im studentischen Theater im OP seine Premiere feierte und die alte Frage um die Grenzen von Liebe, Lust und Leidenschaft zu beantworten versucht. mehr