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Regional 11. Göttinger Gitarrennacht im ausverkauften Alten Rathaus
Nachrichten Kultur Regional 11. Göttinger Gitarrennacht im ausverkauften Alten Rathaus
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16:56 27.10.2013
Mit Eleganz und Temperament: Beata Bedkowska-Huang. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Liebhaber klassischer Gitarrenmusik kommen ebenso auf ihre Kosten wie die Freunde amerikanischer Folk- und Countrymusik (mit einem Schuss Hawaii) oder ausgetüftelter moderner Soundexperimente.

Die Gitarristin Beata Budkowska-Huang – in Polen geboren, jetzt bei Freiburg lebend – eröffnete den Abend mit Kabinettstücken klassischer Gitarrenkunst. Dass sie auch Arrangements von Klavierwerken mitgebracht hatte, zeigte ihre technische Souveränität besonders deutlich. Denn die beiden Sonaten von Domenico Scarlatti, mit denen sie begann, sind für zehn Finger auf Tasten komponiert.

Doch nirgends war bei der Musikerin zu argwöhnen, dass ihr dies im Gitarrensatz irgendwelche Schwierigkeiten bereite. In der „Ungarischen Fantasie“ von Johann Caspar Mertz (1806-1856) zeigte sie Eleganz und Temperament, in den drei populären spanischen Stücken von Isaac Albéniz rhythmische Spannung, perfekte Fingerfertigkeit und feine Abstufungen in den Klangfarben. Francisco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“ war das brillante Schlussstück.

Als „Pausenclown zwischen den Gästen“ bezeichnete sich das Duo Funk-Wegener. Das war natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern gemeint. Sie bieten eine bunte Stilmixtur von Balladen („East Virginia“) über den Tango „Il gatto nero“ mit dem „bösen Akkord“ am Ende und den Blues „I’m going down to the Delta“ bis zur wunderbar albernen „Super Mario Level 1 bis 6“-Musik.

Faszinierender Einblick in die Kunst

Und sie haben eine ganz große Portion Spielfreude, mit der sie das Publikum im Nu für sich gewinnen, nehmen sich auch selbst nie zu ernst („Herbert, was ist schon ein Halbton unter Freunden?“).

Dementsprechend gelöst war die Stimmung nach der zweiten Pause, als zum guten Schluss Claus Boesser-Ferrari einen faszinierenden Einblick in die Kunst gab, welche ungewöhnlichen Klänge man einer Gitarre mit geringer elektronischer Nachhilfe entlocken kann.

Hier macht er auf dem Korpus der Gitarre Quietschgeräusche mit angeleckten Fingern, kratzt, knetert, verteilt kleinste Tongirlanden, dort verzerrt er durch seitliche Saitendehnung die Tonhöhe um Mikrointervalle, spielt mit Echowirkungen, füllt lange Passagen nur mit geklopften Rhythmen, um dann eine herzzerreißend einsame indianische Melodie zu intonieren.

Einmal zitiert er Eisler-Stücke, dann die Musik der „Winnetou“-Filme oder den mittlerweile 46 Jahre alten Hit „Light my fire“ von den Doors. Einfach genial. Der Applaus der Zuhörer wollte kaum enden.

Von Michael Schäfer

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