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13. Kunst-Gala in der Stadthalle Göttingen

Die Dreizehnte mit Tonstörung 13. Kunst-Gala in der Stadthalle Göttingen

Agnes Giese kann sich stimmlich durchsetzen. Bei der 13. Kunst-Gala in der Stadthalle verzichtete die Schauspielerin am Sonntagabend aufs Mikro und überzeugte als Biologie-Lehrerin. Damit vertrat Giese das Junge Theater mit nur einer Szene aus „Der Hals der Giraffe“ und überspielte als erste den Tonausfall, der die Macher der Kunst-Gala ab 20.15 Uhr in Atem hielt.

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Ende trotz technischer Probleme gut: Finale mit einem Lied von Hanna Carlson und fast allen der mehr als 150 Gala-Mitwirkenden auf der Bühne.

Quelle: Heller

Göttingen. In der mit mehr als 1000 Gästen nahezu ausverkauften Stadthalle wurde kurzerhand eine zweite Pause angesetzt, dann das Programm so variiert bis für das Finale nach Plan wenigstens ein Mikrofon wieder funktionierte. Und Moderator Nils König konnte ob der technischen Panne „die bisher ungewöhnlichste Kunst-Gala von allen“ zu einem guten Ende bringen.

Die Bandbreite der Göttinger Kultur kann sich sehen lassen. Neue und altbekannte Mitglieder der Kulturszene stellten ihre Produktionen vor.

Noch bevor das Hauptprogramm in der Halle um 18 Uhr beginnt, haben sechs Aufführungen auf zwei Foyerbühnen stattgefunden: Das Leben im GDA-Wohnstift nahm dessen Theatergruppe aufs Korn, die Kinder-Akrobaten vom KAZ (Kultur- und Aktionszentrum) waren währenddessen gegenüber mit der Jubu-Crew mit dem  Projekt „Tatort Arktis“ dabei.

Junge Talente eröffneten das Hauptprogramm: die Rap-Gruppe der Musa und der Chor der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Es war zu spüren, dass sie mit Lampenfieber die Bühne betraten, um Ausschnitte aus der Jugendoper „Familienbande“ der Händel-Festspiele vorzustellen. „Macht ihn fertig den Verräter“, rappten sie und katapultierten damit Arien aus „Faramondo“ in die Jugendsprache der Gegenwart.

Kompliziert und Außergewöhnlich

Klare Ansage in gewöhnungsbedürftiger Weise. Wer sich darauf einlassen kann, wird diese Familienbande schätzen. Ebenfalls bei der Musa angesiedelt ist „Mangelware – ein Einkaufsmusical“. Mit dessen Gesangsstück „Herzschmerz“ und der musikalischen Pantomime „Streitduett“ begann der zweite Teil der Gala.

So kompliziert wie außergewöhnlich war die „Kathak Attack!“, die die indische Tanzgruppe des KAZ mit Tänzer Deodatt Persaud präsentierte. Fließende Bewegungen und starke Fußarbeit, um die Fußglocken erklingen zu lassen, waren in einer Choreographie zu sehen, die keine Wiederholungsmuster erkennen ließ und schnell in den Bann zog.

Die in Göttingen dargebotenen Theaterformen bildete auch  diese Kunst-Gala hervorragend ab. Christoph Buchfink ließ Opa Häwelmann im Krankenbett die Flucht in die Karibik antreten. Figurentheater vom Buchfink-Theater mit wunderbaren Einfällen zu Gesundheitsreform und Herz-Kasper.

Alltagsdinge sind auch die Sache der „Stillen Hunde“: Christoph Huber und Stefan Dehler stellten mit einem Ausschnitt aus ihrem Programm „Hammerschlag und Muffensausen“ dar, dass Heimwerker kühle, aber nicht immer gute Rechner sind, wenn es um Kacheln und Fliesenkleber geht.

Niveaulosigkeit auf hohem Niveau

Dass sowohl Heimwerker als auch Kunstkenner handgreiflich werden können, zeigte der Abend, als zum Ende des ersten Teils das Deutsche Theater seinen Beitrag präsentierte: In der Szene aus „Kunst“ stritten Michael Meichßner, Lutz Gebhardt und Gerd Zinck herrlich um ein Kunstwerk und zeigten Niveaulosigkeit auf hohem Niveau.

Ihr Improvisationstalent stellten Katrin Richter und Lars Wätzold von der „Comedy Company“ unter Beweis: Ihr Auftritt im zweiten Teil gelang auch ohne Mikro und sorgte für Stimmung im Saal, weil sie über das aus dem Publikum vorgegebene Thema „Göttinger Fußmattenstreit“ ruckzuck in zehn verschiedenen Darstellungsarten von Comedia dell’arte bis Western spontane Satire vom Feinsten improvisierten.

Klassische Musik ist ein wichtiger Faktor im Göttinger Kulturprogramm. Bei der 13. Kunst-Gala kamen Theorbe, Streichinstrumente und Fagott zum Einsatz. Das Streichquartett des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) nahm mit einem Stück von Beethoven teil und überzeugte mit Spielfreude und temperamentvollem Einsatz.

Die 14 Saiten einer Theorbe, einem großformatigen Bassinstrument aus der Lautenfamilie, brachte Andreas Düker zum Klingen. Sein selbstbewusstes Spiel eingängiger Weisen aus dem 17. Jahrhundert brachte eine musikalische Ruhe in die Ungewissheit um die Fortsetzung des zweiten Teils der Gala.

Die 13. Kunst-Gala in der Göttinger Stadthalle © Heller

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Ebenso wie dann das bekannte Fagottsolo aus Strawinskys „Le sacre du printemps“ von GSO-Musiker Ömür Kazil die Zuversicht steigen ließ, dass das Programm doch absolviert werden könnte. Kazils Fagottklänge waren der stimmungsvolle Auftakt zu dem Ballett „Le sacre“, getanzt von  Schülerinnen der Göttinger Ballettschule „Art la danse“.

Mülltonnen, Holzlatten und die Stadt Göttingen kommen groß raus in dem Stop-Motion-Film „Funke“ des Japaners Yukihiro Taguchi. Drei Wochen war der Künstler unterwegs, um die Szenen zu arrangieren. Premiere hatte sein unterhaltsamer Göttingen-Film, ein Projekt des Kunstvereins, nun bei der Kunst-Gala.

Die ging am Ende planmäßig mit einer ausgiebigen Kostprobe der Bigband „XY Jazz“ dem Ende zu. 22 Musiker aus Stadt und Universität wurden zur Rhythm Machine, die im Finale mit Sängerin Hanna Carlson zeigte, dass sie mit lauter wie leiser Musik gut ankommt: Mit „It’s Oh So Quiet“ von Björk ging die 13. Gala zu Ende. Für die Zukunft der Göttinger Kulturszene gilt das hoffentlich nicht.

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