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Regional 25 Jahre Open-Air-Festival im Kaiser-Wilhelm-Park Göttingen
Nachrichten Kultur Regional 25 Jahre Open-Air-Festival im Kaiser-Wilhelm-Park Göttingen
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14:27 22.07.2014
Seit 1990 ein eingespieltes Team fürs Open Air im KWP: Margot Blotevogel und Hilmar Beck vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen in der Konzertmuschel auf dem Festivalgelände. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Margot Blotevogel vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen hat das Festival schon zweimal in Wassermassen untergehen sehen, und einmal stand die Veranstaltung auf der Kippe, weil die Waldbrandgefahr sehr hoch war.

„Aber wir sind nie in die Situation gekommen, dass wir absagen mussten“, erzählt die Kulturmanagerin.  Auch wenn 1993 die Göttinger Band „Ganz Schön Feist“ eine Schlammschlacht erlebte und 2007 an einem Abend der Regen so heftig war, dass kaum Publikum auf den Hainberg kam. Der Einnahmeverlust war immens.

Die alte Konzertmuschel auf dem KWP-Gelände erinnert daran, dass dort schon seit den 1930er-Jahren ein beliebter Ort für Musik und Tanz ist. Den Tanzveranstaltungen im Gasthaus, das Ende der 1960er-Jahre abgerissen wurde, folgte das „Umsonst & Draußen“-Festival der Musa bis Mitte der 80er-Jahre. 1990 entdeckten Kulturamt der Stadt und die Firma GöFest den KWP wieder.

„Die Waldatmosphäre, die Musik, der Treffpunkt“

Die Open Air-Festivals dauerten anfangs zwei Wochenenden, hatten später Programm von Freitag bis Sonntag. Mit wechselnden Partnern organisierte das Kulturamt das Festival. 2005, inzwischen in Fachdienst Kultur umbenannt, wurde es alleiniger Veranstalter.

„Die Waldatmosphäre, die Musik, der Treffpunkt“  sind für Hilmar Beck, Leiter Fachdienst Kultur und wie Blotevogel seit 1990 an der Organisation beteiligt, die Attribute, die das Publikum mag. „Nach dem Aus des Altstadtfestes hatten wir eine erhebliche Lücke im Veranstaltungsangebot“, beschreibt Beck die Lage. Überregional auf sich aufmerksam zu machen, sei nicht der Anspruch. Beck: „Wir machen das für Göttingen.“

Wenn das Programm steht, der Kartenverkauf begonnen hat, geht es für das KWP-Team ans Vorbereiten des Veranstaltungsortes. Das Forstamt beginnt mit Aufräum- und Sicherungsarbeiten. Am Dienstag vor Veranstaltungsbeginn wird alles abgenommen, um dann alles von der Straße zum Ort des Geschehens per Hand zu transportieren.

„Für Bühne, Gastronomie und Licht“

Blotevogel erinnert sich an im weichen Waldboden festgefahrene Lastwagen und ruinierte Wege. Auch die Stromausfälle, in den ersten Jahren immer wieder, sind passé. Inzwischen werden die 750 Meter Starkstrom- und 1000 Meter Stromkabel an drei Stromanlagen angeschlossen: „Für Bühne, Gastronomie und Licht.“ Als Bühne ist die Konzertmuschel seit 1995 nicht mehr angesagt. „Die war atmosphärisch super, aber ungeeignet für elektrisch verstärkte Musik“, erklärt Beck.

94 Quadratmeter hat die  16 Meter breite und 7,70 Meter hohe Bühne. Zwölf 1000-Liter-Ballasttanks sorgen für Standfestigkeit.  Beschallung, Licht- und Bühnentechnik wiegen 15 Tonnen. Alles muss den Berg rauf und runter.  Auch das Publikum, das mit dem kostenlosen Buspendeldienst der Göttinger Verkehrsbetriebe kommt.

Für 2000 Personen ist das Gelände zugelassen. Bevor die eintreffen, sind viele logistische Arbeiten zu erledigen, die ohne einen großen Kreis städtischer Betriebe und Mitarbeiter ebenso wenig möglich wären wie ohne die Sponsoren, in diesem Jahr 26, betonen Blotevogel und Beck.

„Mehr Programm an zwei Abenden geht nicht“

Und auch die Künstler sind hilfsbereit. Als 2007 der zweite Tag total verregnete, meldete sich das Management von Uwe Ochsenknecht und bot Hilfe an. Dann gab es ein Weihnachtsspecial mit Ochsenknecht und den Göttinger Künstlern Seven Up und Insa Rudolph.

Sie verzichteten auf Gage – das 2007-Defizit war ausgeglichen. Vollständig refinanzierbar sind die Festivals selten, aber durch das Sponsoring ist meistens die Absicherung gegeben. Als 2005 Jan Josef Liefers bei Tatort-Dreharbeiten verunglückte, musste er kurzfristig absagen.  In Windeseile konnte Blotevogel „Die drei Göttinger Diven“ – Birgit von Lüpke, Insa Rudolph und Sascha Münnich, die alle an verschiedenen Orten waren – zum Auftritt bewegen.

Einst für die Göttinger Musikszene gemacht, ist das KWP-Festival seit einigen Jahren um internationale Bands reicher. Und auch die Musikproduktionen der Göttinger Theater, wie die Comedian Harmonists vom DT oder der Kurt-Cobain-Abend des JT, sind dabei. Der Mix aus bekannten und neuen Göttinger Bands mit auswärtigen Bands funktioniert: 160 waren dabei.

In diesem Jahr wird eine Band mehr als sonst auftreten. Es ist schließlich das 25. Open Air im KWP, und die Göttinger Musiker geben sich die Ehre, mit einem 90-minütigem Special. „Mehr Programm an zwei Abenden geht nicht“, sagt Margot Blotevogel. Könnte sie „geht nicht“ für Regen und Kälte doch auch dem Wetter so deutlich ansagen.  

Mehr Informationen unter kultursommer.goettingen.de

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25 Jahre Open-Air-Festival im Kaiser-Wilhelm-Park: Wieder Musik im Wald.
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