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4500 Besucher bei 28. Göttinger Figurentheatertagen

Spektakuläre Schluss-Vorstellung 4500 Besucher bei 28. Göttinger Figurentheatertagen

Mit einer spektakulären Vorstellung sind die 28. Göttinger Figurentheatertage zu Ende gegangen. Familie Flöz, ein Zusammenschluss zahlreicher Künstler aus zehn Ländern, die in unterschiedlichen Konstellationen Stücke entwickelt, war mit „Teatro Delusio“ im Großen Haus des Deutschen Theaters (DT) zu Gast – Menschen, die ohne Worte spielen, dafür aber Masken aufhaben.

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Quelle: Borrasci

Göttingen. Klingt gewöhnungsbedürftig, ist es aber nicht. Die Show funktioniert von der ersten Sekunde an. Kurios: Nach der aktuellen DT-Produktion „Die nackte Wahrheit“ zeigt auch „Teatro Delusio“ das Theater von der Hinterbühne aus gesehen.

Geschätzte zwei Dutzend Figuren bevölkern im Laufe des Abends die Bühne. Ein Orchester tritt auf, ein komplettes Ballett, ein Schauspielensemble, die Theaterleitung und natürlich die Bühnentechniker nicht zu vergessen. Gespielt wird diese Heerschar von Björn Leese, Hajo Schüler und Michael Vogel. Wie das geht, zeigen sie gleich zu Beginn: nur Hand in Hand, nur wenn alles ineinander greift, lässt sich die scheue Muse blicken.

Das zarte Puppenwesen wird von den drei Schauspielern bewegt. Schüler führt den Körper, jeweils eine Hand geben Leese und Vogel dazu. Diese Einstiegsszene bleibt bis zum – wirklich rauschenden und ausdauernden  – Schlussapplaus die einzige, in der das Trio Gesicht zeigt. Danach folgen ausschließlich Szenen mit Maske.

Hinter der Bühne werkeln die Techniker , Symphoniker treffen dort ein, der Intendant schaut nach dem Rechten, der Ballettmeister scheucht seine Tänzerinnen auf die Bühne, Schauspieler-Diven gockeln und Opern-Diven schleudern ihr Haar. Hier wird gemobbt, geliebt, meist unglücklich, Leben geschenkt und genommen. Drei Schauspieler zeigen in knapp 90 Minuten den ganzen Kosmos des Theaters – ohne Worte und ohne Mimik.

Beeindruckend, wie Leese, Schüler und Vogel mit leichten Veränderungen in ihrer Körperlichkeit Menschen auf die Bühne zaubern, wie emotional sie werden können, wie treffend sie ihre Figuren schildern. Hier und da blitzen Klischees durch, doch sie gehen immer auch in die Tiefe, machen aus Figuren Charaktere. Sie berühren mit Begegnungen zwischen Menschen und unterhalten glänzend mit großem Komödiantentum zwischen Slapstick, Clownerie, Pantomime und Theaterspaß. Sie zeichnen die Protagonisten treffend, weil sie gut beobachten. Viele der Figuren auf der Bühne meint man wiederzuerkennen, weil es sie so in beinahe jedem Theater gibt.

Und am Ende sind alle Besucher davon überzeugt , Trauer und Freude, Wut und Zärtlichkeit, Liebe und Hass in den starren Maskengesichtern gesehen zu haben. Und ein Maskengesicht lief sogar rot an. Ganz sicher.

Institution Figurentheatertage

Die Göttinger Figurentheatertage sind längst eine Institution. Rund 4500 Gäste besuchten die 30 Vorstellungen zwischen dem 9. und 24. Februar. Alle Abendvorstellungen in den 16 Festivaltagen waren ausverkauft.  Im vergangenen Jahr waren zu 33 Vorstellungen noch etwa 5000 Besucher gekommen. Das Problem: Wegen Umbauarbeiten stand in diesem Jahr das Alte Rathaus nicht als Spielstätte zur Verfügung. Deswegen standen weniger Plätze zur Verfügung als im Vorjahr.

Aus der Not machte Organisatorin Christiane Mielke vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen eine Tugend. Sie suchte weitere Veranstaltungsorte und fand einige wie das Goethe-Institut an der Merkelstraße, das GDA-Wohnstift oder die Kleinkunstbühne Geismar, die zwar etwas abseits der Innenstadt liegen, dafür aber entdeckt werden konnten. Die Termine für die Figurentheatertage im kommenden Jahr stehen fest: 1. bis 16. Februar 2014.

 
Kommentar von Tageblatt-Redakteur Peter Krüger-Lenz
▶ Nein, Figurentheater ist nicht nur etwas für Kinder. Ja, es ist auch Theater, selbst wenn oft keine Menschen auf der Bühne stehen. Diese schlichten Erkenntnisse haben sich in der Region herumgesprochen – vor allem, weil der Fachdienst Kultur der Stadt seit fast 30 Jahren mit seinen
Figurentheatertagen daran arbeitet, dies zu verbreiten. Das Spektrum, das die Organisatoren mit ihrem Programm abdecken, ist beachtlich und reicht von lehrreich bis unterhaltsam, meistens ist es beides. So wie gutes Theater eben sein soll. Angesprochen wird jeder, ausnahmslos. 4500 Besucher sind ein wirklich gutes Ergebnis. Doch eigentlich sollte das kein Grund zum Jubeln sein, sondern die Norm.  Das Festival hat Begeisterung auf jeden Fall verdient.
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