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50 Jahre Corvinuskirche

Jubiläum 50 Jahre Corvinuskirche

Festliche, weihevolle Klänge hat es am Sonntagabend in der gut gefüllten Corvinuskirche im Göttinger Ostviertel zu hören gegeben. Beim Konzert der Gemeinde-Kantorei zum 50-jährigen Kirchenjubiläum erklang unter anderem Georg Friedrich Händels Krönungshymne „The King Shall Rejoice“.

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Festkonzert in der Corvinuskirche.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Wie ein großes Zelt erhebt sich unterhalb des Göttinger Waldes die Corvinus-Kirche. Benannt ist das Gotteshaus an der Grotefendstraße nach Anton Corvinus (1501-1553), dem ersten evangelischen Superintendenten des damaligen Fürstentums Calenberg-Göttingen. Im hellen, hohen Kirchenraum konzertierte die Corvinus-Kantorei gemeinsam mit dem Neuen Göttinger Collegium von Konzertmeisterin Melanie Büttner und einem Bläser-Ensemble.

Nur noch eine halbe Pastorenstelle

„Zur Betreuung evangelischer Christen in den Neubaugebieten unterhalb des Göttinger Waldes entstand 1967 die Corvinusgemeinde“, berichtete Pastorin Anke Well. Die Gläubigen hätten auch von den Gemeinden St. Jacobi und St. Albani betreut werden können. Die Landeskirche habe sich aber damals entschlossen, „in die Fläche“ zu gehen, um die Gesellschaft „mit christlichen Werten zu durchdringen“.

„Die Zahl der Gemeindemitglieder ist auf 1600 Christen gesunken“, berichtet Well, die Corvinus seit 2015 betreut. Der Kirchenkreis habe die Diakonenstelle gestrichen und die volle Pastorenstelle auf eine halbe Stelle reduziert. Die vielen Ruhestandspastoren stellten bis heute sicher, dass jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werde. Seit 32 Jahren gebe es werktags immer um 18.15 Uhr ein liturgisches Abendgebet. Das ehrenamtliche Engagement sei „enorm“.

Zwei der drei Stücke des Abends, neben der Krönungshymne von Händel (1685-1759) noch das „Gloria“ in D-Dur (RV 589) von Antonio Vivaldi (1678-1741), hatte Hermann Amlung ausgesucht. Der langjährige Chorleiter und vormalige Kantor von St. Johannis hatte dann aber im Februar überraschend aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen müssen. Kantorei-Mitglied Herbert Schur übernahm die Aufgabe kommissarisch. Er stellte den Kontakt zum ausgebildeten Opernsänger Frank Bodemeyer her, den er vom Göttinger Knabenchor her kennt. Bodemeyer trat Amlungs Nachfolge dann im August an.

Lobpreisende und flehende Töne stimmten die 50 Sänger in Vivaldis Stück an. Zwei Stunden vor dem Konzert hatten sie es erstmals gemeinsam mit dem Orchester und den beiden Solistinnen geprobt. Der vierstimmig singende Laienchor meisterte die barocke, venezianische Sakralmusik eindrucksvoll.

Aus dem Erzgebirge war Mezzo-Sopranistin Anna Bineta Diouf angereist, die mit jugendlichem Temperament begeisterte. Leicht und schwebend sang Sopranistin Patricia Grasse aus Hannover. Diouf und Grasse sind beide bereits mehrfach mit der Corvinus-Kantorei aufgetreten. Amlung hatte sie für das Festkonzert verpflichtet.

Das mittlere konzertante Stück, ein heiteres „Scherzo“ von Félix Alexandre Guilmant (1837-1911), hatte der neue Chorleiter ausgewählt. Der Franzose komponierte das Werk einst für das Harmonium. Es gibt auch eine Orgelfassung. Bodemeyer erstellte 2012 eine Orchesterversion, die er für das Jubiläumskonzert noch einmal umschrieb. Mehr Gewicht erhielten die Bläser, die gewaltig schmetterten. Die Pauke donnerte. In humorvollem Kontrast standen dazu die zarten Klänge der Streicher.

Das Konzert schloss mit Händels Krönungshymne, die es in Göttingen bei den Händelfestspielen wiederholt zu hören gab. Der Barockkomponist hatte sie 1727 anlässlich der Krönung des englischen Königs Georg II. verfasst. Den Text entnahm er dem 21. Psalm, einem der Königspsalmen der Bibel, in dem Gott den König krönt und segnet und ihn zu seinem Vertreter auf Erden macht. Die Kantorei sang das vierteilige Werk begleitet von Streichern und Bläsern vier- bis sechsstimmig. Mit einer großen, den Chor fordernden Halleluja-Fuge endete die Hymne. Das Publikum klatschte lange begeistert.

Von Michael Caspar

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