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Regional 50 Jahre Göttinger Kammermusikgesellschaft Göttingen
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15:46 10.04.2018
Der Vorsitzende der Göttinger Kammermusikgesellschaft, Michael Schäfer, mit einer Archivalie in der Hand in der Historischen Aula – dem Ort in dem über 300 Aulakonzerte stattfanden. Quelle: Hinz
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Göttingen

Seit fünf Jahrzehnten veranstaltet die Kammermusikgesellschaft mehr als 300 Aulakonzerte – mittlerweile sicher eine der kontinuierlichsten und renommiertesten Kammermusik-Konzertreihen Deutschlands. Am Sonntag, 15. April, findet das Festkonzert zum 50-jährigem Jubiläum statt – wie immer in der Aula der Universität.

Kammermusik im Göttinger Konzertleben

„Kammermusik spielte im damaligen Göttinger Konzertleben eine eher untergeordnete Rolle“, so der heutige Vereinsvorsitzende Michael Schäfer. „Das Musikleben war bestimmt von den Konzerten des Göttinger Symphonie-Orchesters und den ‚Meisterkonzerten’ der Konzertagentur Weichert.“ Streichquartette, Bläserquintette oder Klaviertrios gab es selten zu erleben. Eine Lücke im Konzertleben von Göttingen, denn es gab damals eine sehr vitale Szene an Hausmusik und etlichen Laien-Streichquartetten. Diese Amateurmusiker waren oft Akademiker an der Universität und spielten auch in der Akademischen Orchestervereinigung (AVO). Ein Publikum für Kammermusik war also vorhanden – das Interesse an jenem besagten Abend im „Schwarzen Bären“ entsprechend groß. Die Anwesenheitsliste der Gründungsversammlung enthält immerhin 23 Namen – viele Akademiker, gleich drei Mitglieder der Weinhändlerfamilie Bremer, eine Musikkritikerin des Tageblatts genauso wie ein Verleger oder ein Orgelbauer. Und der Verein wurde auch sofort aktiv: Gleich im Herbst 1968 startete die erste Saison mit der Aufführung von Beethovens Streichquartetten.

Göttinger Kammermusikgesellschaft: Gründung im Jahr 1968

Die Vereinsgründung spiegelt auch die Aufbruchsstimmung des Jahres 1968 wider: Die Gründer Bernd Moeller und Dietrich Ruprecht beschrieben die Kammermusikgesellschaft als eine Bürgerinitiative. Das ist sie bis heute. „Die Konzerte und die Gagen für die Ensembles werden aus sich selbst heraus finanziert, die Texte in den Programmheften von Mitgliedern verfasst und die Aktiven sind ehrenamtlich tätig – alles ist ohne öffentliche Zuschüsse möglich“, so Michael Schäfer, der im Gründungsjahr Musikwissenschaft in Göttingen studierte und das Musikleben der Stadt als Musikjournalist und Pianist seit Jahrzehnten begleitet. „Das Engagement von Bürgern im Musikleben ist typisch für Göttingen, denn auch das Göttinger Symphonie-Orchester wurde von Bürgern initiiert.“

Noch etwas schwingt vom demokratischen Geist der späten sechziger Jahre mit: Von Anfang bestimmten Mitglieder in einem Programmausschuss bei der Gestaltung des Programms mit. Die Gründer haben eine „Garantiegemeinschaft“ geschaffen. Die Mitglieder zahlen mit ihren Beiträgen die Konzertkarten und sind somit direkt in das Gedeihen des Vereins wie auch der Konzerte eingebunden.

Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft

„Beim gespielten Repertoire beginnen wir stilistisch bei der Wiener Klassik und gehen bis zur älteren Moderne im 20. Jahrhundert – so gab es beispielsweise auch eine Saison mit dem Fokus auf Hindemith,“ erklärt Michael Schäfer. Das Konzept der Konzerte entspricht auch nach fünf Jahrzehnten dem Gründergeist: sechs hochwertige Aulakonzerte pro Saison mit einem Leitgedanken als Rahmen, damit es nicht zufällig wirkt.

Die Kammermusikgesellschaft holte über die Jahre namhafte und international bekannte Künstler nach Göttingen: vom Melos-, Alban Berg- und Erato-Quartett über den Cembalo-Spieler Gustav Leonhardt und das Klavierduo der Brüder Kontarsky bis zu herausragenden Solisten wie der Klarinettistin Sabine Meyer, dem Bariton Olaf Bär oder der Violinistin Carolin Widmann. Es gab über die Jahre spannende Themenschwerpunkte: „Französische Kammermusik“, „Verfemte Musik“, „Besondere Besetzungen“ oder „Aufbrüche – Ausbrüche“.

Göttinger Kammermusikgesellschaft widmet sich Komponisten wir Schubert und Mozart

Die Gesellschaft widmete sich Komponisten wie Schubert und Mozart, Dvořák und Reger und erkundete Epochen wie die Romantik oder die Wiener Klassik. In den „Preisträgerkonzerten“ werden Nachwuchsensembles vorgestellt und gefördert. Michael Schäfer erinnert sich noch an das 25. Jubiläum der Gesellschaft in der Saison 1993/94 und einen besonderen Abend: „Damals gaben musizierende Vereinsmitglieder ein ganz exklusives Konzert für andere Mitglieder.“

Die Kammermusikgesellschaft schaut zuversichtlich in die Zukunft und setzt auf weitere Vernetzung. Sie öffnet sich dem jungen Publikum, das zukünftig mit dem AStA-Kulturticket die Konzerte besuchen kann. Seit fünfzig Jahren begeistern die Aulakonzerte Zuhörer wie Künstler. Michael Schäfer: „Unser Publikum ist sehr aufgeschlossen und die Musiker berichten regelmäßig, dass sie viel von unserem Publikum zurückbekommen.“

Von Udo Hinz

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