Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
A-cappella-Gruppe aus Israel: Die „Voca People“ in der Göttinger Lokhalle

Galaktisch guter Gesang A-cappella-Gruppe aus Israel: Die „Voca People“ in der Göttinger Lokhalle

Mit einem krachenden „Autsch“-Aufschrei landen sie am Sonnabend auf der Lokhallen-Bühne. Verstört und verängstigt schauen sie ins Publikum. Obwohl sie eine Fantasiesprache sprechen – ein bisschen wie die „Teletubbies“ aus dem Kinderfernsehen –, kann man ihrer Gestik und Mimik entnehmen, dass sie sich fragen: „Wo sind wir hier?“

Voriger Artikel
„30 Jahre Papierarbeit“ von Theo Köppen im Göttinger Künstlerhaus
Nächster Artikel
Pianisten Jinsang Lee konzertiert im Duderstädter Rathaus

Mit feinster Stimmakrobatik als menschliches Orchester unterwegs: die Voca People in der Göttinger Lokhalle.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Ihrem Raumschiff ist der Treibstoff ausgegangen. Deshalb müssen die Voca People, die musikalischen Bewohner des Planeten Voca, auf der Erde notlanden. Vorsichtig machen sich die acht ganzkörperweißen Außerirdischen auf, ihre Umgebung und die Menschen zu erkunden. Dabei bemerken sie, dass die Erden-Musik als perfekter Energielieferant für ihren fliegenden Untersatz: „Musik ist Leben und Leben ist Musik“.

Unter diesem Motto soll ihre Show, eine Kombination aus A-cappella-Gesang, Comedy und Tanz , stehen. Die in Deutschland vor allem aus der ersten „Wetten, dass…?“-Sendung mit Markus Lanz bekannte israelische A-cappella-Gruppe sorgt mit Klassikern der Musikgeschichte für gute Stimmung. Mit feinster Stimmakrobatik machen sie unterhaltsam jegliche Art von Musik hörbar (Arrangeur: Shai Fishman, Regisseur: Lior Kalfo): Ob Michael Jackson’s „Beat It“ oder Beethovens 5. Symphonie, die Künstler erzeugen mit ihren Stimmen eine Klangwelt, wie sie sonst nur Instrumente schaffen können. So authentisch wie die Gruppe Hits von ABBA, Celine Dion, Tom Jones und vielen mehr nachahmt, könnte man denken, hinter der Bühne sitze eine Band.

Beatboxing

Das Ensemble stellt sich mit den Namen Beat On, Scratcher, Tubas, Tenoro, Alta, Mezzo, Bari Tone und Soprana vor. Diese repräsentieren einerseits die verschiedenen Stimmlagen, andererseits die besonderen Talente jedes Einzelnen. Besonders sticht das Beatboxing, das heißt die vokale Imitation von Perkussionsinstrumenten, hervor. Die Zuschauer toben vor Begeisterung. Und das umso mehr, als sie aufgefordert werden, das Beatboxing selbst auszuprobieren und dabei fast scheitern. Die  Interaktion mit Zuschauern dominiert einen großen Teil der eineinhalbstündigen Veranstaltung. Durch Handauflegen „spielen“ die Voca zum Beispiel die Musik aus den Köpfen der Menschen „ab“, oder sie bedienen sich an Armen und Beinen von Besuchern, um Instrumente zu imitieren. Im Publikum verteilt, lassen die Künstler so ein menschliches Orchester entstehen.

Diese Einlagen sind kreativ und witzig. Auch als erst eine Frau von den männlichen Mitgliedern, dann drei Männer von den weiblichen Voca auf der Bühne umgarnt werden, ist das amüsant. Nur dauert das etwas lange. Der Gesang ist galaktisch gut. Warum nicht ein bisschen mehr davon? Die Teletubbie-Stimmen kann man nämlich auf die Dauer nicht ertragen.

Von Sarah Lodder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag