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Abendliche Reise „zu Sternen, die so milde blinken“

Literaturfest Niedersachsen Abendliche Reise „zu Sternen, die so milde blinken“

Vor 200 Jahren mag der Sternenhimmel noch geheimnisvoller gewesen sein, allemal auch besser mit bloßem Auge zu erkennen. Seit Menschengedenken hat er Dichter und Denker fasziniert und manche von ihnen mit viel Pathos über Sterne und Planeten schreiben lassen. Astrophysiker Ulrich Woelk hat als Schriftsteller Naturwissenschaft und Literatur verbunden.

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Andreas Fröhlich.

Für das Literaturfest Niedersachsen der VGH-Stiftung „Die Nacht“ stellte er das Programm für den Abend in der historischen Sternwarte in Göttingen zusammen. Dort erzählten Brigitta Assheuer und Andreas Fröhlich „Von Sternen, die so milde blinken“, wunderbar begleitet von Jazz-Pianist Bardo Henning.

Sphärische Klänge im All

Dämmerung und Abend, Start zum Mond, Deep Space und Rückkehr zur Erde nannte Woelk die Stationen dieser einzigartigen Lesereise in ferne Galaxien. Nicht nur mit der Auswahl der 34 Texte von 28 Autoren – von Sappho bis James Joyce – hat er überzeugt, sondern auch mit der Wahl der beiden Sprecher: Assheuer und Fröhlich begegneten sich wenige Stunden vor Lesungsbeginn zum ersten Mal – und lasen doch, als wären sie schon lange aufeinander eingespielt. Ließen Hermann Hesses „Sternenklare Nacht“ und Fjodor Dostojewskis „Weiße Nächte“ erleben. Belebt von Hennings sacht ausklingenden Balladen und dann seine furiosen Melodien für den Start der Rakete zum Mond. Und nur mit Gong und Regenstab ließ der Musiker und Komponist die Stille im „Deep Space“ erklingen.

Im Weltall ist dann Andreas Fröhlich (Synchronstimme von John Cusack und Edward Norton) lebhaft „Per Anhalter durch die Galaxis“ unterwegs und lässt mit der aberwitzigen Reise von Douglas Adams teilhaben an der Größe des Universums. Und gedanklich fern der Welt ist dann der Blaue Planet das Ziel der Sternenreise.

Die darf ohne Passagen aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ nicht enden. Und auch hier behält Assheuer mit ihrer wunderbaren Stimme und Intonation das Publikum ganz nah bei sich – und verabschiedet sich mit Auroras Herold und gewogen Händen. Das galt dann für den langanhaltenden Applaus des Publikums, das bis dahin, still und leise die eise genossen hatte und wohl nicht wagte, die Radio-Aufzeichnung des NDR zu stören. Und auf dem Heimweg war es zwar keine Weiße Nacht, aber doch eine sternenklare, die an Assheuers Dostojewski-Worte erinnern ließ: „Ja, kann es denn unter so einem Himmel verärgerte, misslaunige Menschen geben?“ Wer „Von Sternen, die so milde blinken“ in der Sternwarte gehört hatte, konnte nicht misslaunig heimkehren, sondern in der Gewissheit, einen wunderbaren literarischen Streifzug erlebt zu haben.

Von Angela Brünjes

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