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Regional Abschluss der PEN-Jahrestagung in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Abschluss der PEN-Jahrestagung in Göttingen
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00:29 02.05.2018
Während der Abschlussveranstaltung „Deutsche Meckerköppe - Lichtenbergs Erbe und Satire heute“ der PEN-Jahrestagung wurde im Alten Rathaus heftig diskutiert. Hier spricht Frank Schäfer. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Die Matinee im Alten Rathaus bot den Ausklang der Jahrestagung der PEN, die vom 26. April bis Sonntag, 29. April, andauerte. Vor 70 Jahren wurde in Göttingen das „P.E.N-Centrum Deutschland“ neu gegründet, nachdem es 1931 verboten worden war. PEN steht für Poets, Essayists und Novelist. Auf öffentlichen Veranstaltungen wurde sich mit Berichten, Debatten und Resolutionen beschäftigt.

Frank Schäfer berichtet über Lichtenbergs satirische Neigung

„Lichtenberg ist in dieser Stadt ein großer Mensch, auch wenn er körperlich eher klein war“, sagte Matthias Biskupek, der die Veranstaltung moderierte. Bereits im frühen Verlauf des vierköpfigen Gesprächs waren die koordinativen Aufgaben des Schriftstellers jedoch überflüssig. Jeder der Gäste wollte zu den zuvor getroffenen Aussagen seine Meinung einbringen. Über Lichtenberg erzählte Experte Frank Schäfer von einer satirischen Neigung des Experimentalphysikers. 1777 fertigte er Plakate im Namen des Magier Philadelphus Philadelphia an, auf dessen Kunststücke maßlos übertrieben angekündigt war. Nach Angaben des Plakats werde der Zauberer den Wetterhahn der Jacobikirche mit der Fahne auf der Johanniskirche vertauschen und zurück. Daraufhin habe Philadelphia die Stadt verlassen, ohne eine Aufführung zu geben.

Doch nicht nur der Spaß am Vergnügen war Thema der Veranstaltung. Die eingeladenen Gäste bewiesen, dass man nicht unbedingt Satiriker sein muss, um eine Meinung über Satire zu haben. „Es kommt immer darauf an, wie man die Welt sieht“, bemerkte Autorin Angela Kraus. Sie bemühe sich um eine möglichst vorurteilsfreie Sicht auf die Dinge. „Ich kann mich nicht in die Position begeben, immer Recht zu haben“, sagte Susanne Fischer, ebenfalls Autorin. Bei der Satire müsse für sie immer ein Maß an Selbstironie dabei sein, sonst sei es Belehrung.

„Was darf Satire? Alles.“

Kurt Tucholskys bekanntes Zitat wird genannt: „Was darf Satire? Alles.“ Es geht nicht nur um Satire, sondern um das gesprochene und geschriebene Wort selbst, erklärte Krauß ihre Sicht. „Der zuverlässigste Aufreger ist Städtebeschimpfungen“, betonte Fischer. Popmusik oder Fußball seien ebenfalls sehr sensible Themen, die Menschen würden an diese Dinge glauben und keine Kritik zulassen. Am schlimmsten seien jedoch Witze über Frauen. „Frauen sollten Witze über Frauen machen dürfen, ich würde mich das natürlich niemals trauen“, sagte Biskupek. Zu DDR-Zeiten sei Satire einfach gewesen. Das Publikum sei immer auf der Seite des Kabaretts gewesen. Man habe lediglich mit der richtigen Betonung aus der Tageszeitung lesen müssen und die Menschen hätten sich gebogen vor Lachen.

Jan Böhmermann ist für Fischer der erfolgreichste Satiriker der heutigen Zeit. Schäfer ist anderer Meinung: Er habe nichts zu verlieren und wirklich literarisch seien seine Werke ebenfalls nicht. Dennoch habe ihm das Schmähgedicht gefallen. Satire funktioniere nur, wenn es Gegner gibt. „Es gehört immer ein Tabu oder ein Verbot dazu“, sagte Krauß.

Die PEN-Jahrestagung in Göttingen wurde gefördert von der Stadt Göttingen, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Georg-August-Universität Göttingen, dem Göttinger Literaturherbst, dem Literarischen Zentrum Göttingen, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und dem Steidl Verlag. Die PEN-Jahrestagung im kommenden Jahr wird von Donnerstag, 9. Mai, bis zum Sonntag, 12. Mai, in Chemnitz stattfinden.

Von Lisa Hausmann

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