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Abschlusskonzert: Cello-Meisterkurs im Duderstädter Rathaus

Virtuosität und Temperament Abschlusskonzert: Cello-Meisterkurs im Duderstädter Rathaus

Klöster gelten als Rückzugsorte vom Trubel der Welt, als Stätten der Einkehr und Besinnung. 13 Cellisten aus Deutschland, Spanien, Österreich, Frankreich, Chile, Bosnien und anderen Ländern, die vom 27. April bis 3. Mai im Ursulinenkloster Duderstadt zu Gast waren, haben diesen Ort für intensive musikalische Arbeit genutzt.

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Legt Wert auf musikalische Gradlinigkeit: der Cellist Matthias Boutros.

Quelle: Schauenberg

Duderstadt. Bei einem Meisterkurs mit Johannes Krebs, Cellist der Bremer Symphoniker, der an der Hochschule für Künste in Bremen lehrt. Am Donnerstag stellten sich zehn Kursteilnehmer, die meisten um die Mitte 20, in einem Konzert im Duderstädter Rathaus vor. Mit diesem Abend, so Krebs, sollten seine Kursteilnehmer Konzerterfahrungen sammeln.

Aber auch für die Zuhörer war dies ein spannendes Ereignis. Unter anderem war Haydns Cellokonzert D-Dur von drei Interpreten zu hören. Bei einem solchen Vergleich geht es nicht um die Frage, wer besser spielt, sondern um die Erkenntnis, wie verschieden ein und dasselbe Stück klingen kann.

So legte Matthias Boutros viel Wert auf einen schnurgeraden musikalischen Verlauf, während Johanna Hoffmann einzelne Details besonders liebevoll und mit Nachdruck formte. Alexander Spreng wiederum hinterließ den virtuosesten Eindruck. Bei ihm klangen auch die Passagen, die Haydn in abenteuerlich hoher Lage angesiedelt hat, als sei dies eine gängige Fingerübung.

Dazu gab es etliche Beiträge aus dem klassisch-romantischen Repertoire und mit Werken von Schostakowitsch und Kodály auch Musik aus dem 20. Jahrhundert. Ann-Katrin Eisold bot ausdruckstiefes Spiel in den beiden Schlusssätzen von Schostakowitschs Sonate op. 40, deren Kopfsatz der Benjamin des Kurses, der erst 13-jährige Valentin Engel, mit erstaunlicher Virtuosität und großem Temperament vorgeführt hatte.

Bravourös, souverän und klangschön

Nicht nur Haydn, sondern auch Beethoven gab es von drei verschiedenen Cellisten. Der Spanier Pablo Ortega spielte mit lässig-virtuosem Ansatz das Allegro der Sonate D-Dur op. 102 Nr. 2, dazu den Kopfsatz der F-Dur-Sonate von Brahms.

Die aus Frankreich stammende Cellistin Marion Tiberge bot eine packende Interpretation des Kopfsatzes der Sonate g-Moll op. 5 Nr. 2, der die Katalanin Elisabet Iserte Lopez eine nicht minder temperamentvolle und ausgereifte Wiedergabe des Allegro ma non tanto der Sonate A-Dur op. 69 gegenüberstellte. Die Kodály-Solosonate war für diese Cellistin eine besondere Herausforderung, der sie auf weiten Strecken gerecht wurde.

Zwei besonders eindrucksvolle Leistungen bildeten das Finale dieses musikalisch überreichen Abends. Lana Kostic aus Sarajevo spielte ausgesprochen souverän und klangschön den ersten Satz aus Dvořáks Cellokonzert. Und mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen machte zum Schluss Lynda Anne Cortis Furore: mit einer ganz selbstverständlichen, uneitlen Virtuosität, mit durchdachter Gestaltung und tief empfundenen Ausdruck.

Nimmermüde Klavierpartnerin war die Pianistin Lydia Hammerbacher. Sie bewältigte ihren zweistündigen Tasten-Marathon mit Bravour und viel Einfühlungsvermögen für ihre wechselnden Partner.

Bleibt die Frage, wieso ein internationaler Cello-Meisterkurs ausgerechnet im Ursulinen-Kloster in Duderstadt abgehalten wird. Ganz einfach: Die Leiterin des Klosters, Schwester Ingeborg Wirz, ist eine Tante von Johannes Krebs. Wenn verwandtschaftliche Beziehungen zu einer solchen Bereicherung des kulturellen Lebens einer kleinen Stadt führen, kann man dies wohl nur einen Glücksfall nennen.

Von Michael Schäfer

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