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Regional Abschlusskonzert der 4. Nikolausberger Musiktage
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15:06 11.09.2018
Rudorff-Kantate in der Klosterkirche Nikolausberg mit dem Göttinger Knabenchor, dem Göttinger Barockorchester, der Sopranistin Julia Kirchner und dem Dirigenten Antonius Adamske. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Im Mittelpunkt des Abschlusskonzerts stand ein fast vergessener Göttinger Komponist: der Mozart-Zeitgenosse Carl Friedrich Ernst Rudorff (1749-1796), der von 1780 bis zu seinem Tod als Kantor in Göttingen wirkte. Zwölf Kirchenkantaten Rudorffs hat Antonius Adamske, künstlerischer Leiter der Nikolausberger Musiktage, in einem Werkverzeichnis erfasst. Eine davon, die Kantate „Lobet den Herrn, lobet ihr Knechte den Herrn“, hatte er für das Konzert ausgewählt und mit dem Chorpart den Göttinger Knabenchor betraut, den sein Leiter Michael Krause gründlich auf diese Aufgabe vorbereitet hatte. Begleitet wurden die Vokalisten hochprofessionell vom Göttinger Barockorchester, angeführt von seinem Konzertmeister Hans-Henning Vater. Als Solosängerin glänzte die Sopranistin Julia Kirchner.

Rudorff ist, das bewies diese Aufführung auf eindringliche Weise, ein handwerklich versierter, durchaus einfallsreicher Komponist. Adamske nahm die Tempi frisch, sodass die vier Sätze einen ausgesprochen freudigen Eindruck machten. An die Qualitäten Mozarts reicht Rudorff selbstverständlich nicht heran, aber dieses Schicksal teilt er mit den meisten seiner Zeitgenossen. Dass dieser Ausgrabung in einem Konzert am 6. Oktober in der Göttinger Johanniskirche noch weitere Rudorff-Kantaten unter der Leitung von Adamske folgen werden, klingt verheißungsvoll.

Fein zusammengestelltes Barock-Programm

Umrahmt wurde die Kantate von einem fein zusammengestellten Barock-Programm. Der Eingangschor der Bach-Kantate „Bringet dem Herrn Ehre seines Namens“ in einer Instrumentalfassung stand am Anfang. Schon hier hatte der Trompeter Rupprecht Drees manche Gelegenheit, seine hochvirtuose Kunst zu demonstrieren. Das Göttinger Barockorchester musizierte federnd, elastisch, mit fein differenziertem Ausdruck. Das gilt ebenso für Telemanns Trompetensonate D-Dur, deren Spritzigkeit und motivischer Reichtum die zuvor aufgeführte Rudorff-Kantate ein wenig in den Schatten rückte.

Julia Kirchner konnte anschließend in der Solokantate „Le Retour de la Paix“ des französischen Komponisten Michel Pignolet de Montéclair die hohen Qualitäten ihres klar timbrierten, ganz unangestrengt geführten Soprans in zahlreichen Ausdrucksnuancen präsentieren. Vielleicht könnte man sich hier und da auch einmal eine etwas weichere Stimmfärbung wünschen, und manchmal wirkte ihre Aussprache des Französischen auch etwas eigenwillig. Aber das sind nur marginale Einwände, die den wunderschön strahlenden Gesamteindruck nicht trüben konnten.

Gleichermaßen strahlend leuchtete Drees’ Solostimme in Henry Purcells Sonate für Trompete und Streicher. Ganz unsentimental, aber mit angemessenem Affekt bot das Göttinger Barockorchester Bachs Air aus der zweiten Orchestersuite D-Dur, um dann zusammen mit Kirchner und Drees das hell funkelnde Finale anzustimmen: Bachs virtuose Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, in der Solosopran und Solotrompete auch klangfarblich bestens miteinander harmonierten. Der Schlussbeifall prasselte nur so, als Dank gab es Händels „Eternal Source“ als Zugabe.

Bilanz der Musiktage

„Total zufrieden mit dem Verlauf“ war Antonius Adamske am Montag nach dem Finale des Abschlusskonzerts der Musiktage. Knapp 1000 Besucher, etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr, seien zu den sechs Konzerten gekommen. Den finanziellen Unterstützern ist der künstlerische Leiter sehr dankbar – bei einem Etat von knapp 20 000 Euro und einem Eintrittspreis von 15 Euro war der Zuschussbedarf in diesem Jahr besonders hoch. Am Vorabend des Festivalstarts habe sich „zwischen Tür und Angel“ der „Förderverein Kultur in der Klosterkirche Nikolausberg“ gegründet. Anfragen zum Verein werden unter musiktage@nikolausberg.de beantwortet.

Qualitativ sei das Festival 2018 „sehr gelungen“, sagte Adamske. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir noch etwas draufgelegt.“ Besonders gefreut hat ihn, dass er mit der Aufführung der Rudorff-Kantate ein Schlaglicht auf die Göttinger Musikszene des 18. Jahrhunderts hat werfen können. Eine Kantate dieses Komponisten sei bereits vor einiger Zeit von der Jacobi-Kantorei unter Stefan Kordes gesungen worden. Adamske ist derzeit mit einer Dissertation über Göttinger Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts befasst.

Von Michael Schäfer

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