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Regional Interview mit Akkordeonist Peirani
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16:30 06.11.2018
Der Akkordeonist Vincent Peirani gastiert beim 41. Göttinger Jazzfestival. Quelle: r
Göttingen

Der französische Akkordeonist Vincent Peirani ist einer der Stars der aktuellen europäischen Jazzszene. Auf dem Göttinger Jazzfestival gastiert er mit der Musik seines neuen Albums „Night Walker“. Im Gespräch mit dem Tageblatt verrät der 38-Jährige aus Nizza, dass er selber ein Nachtmensch ist, sein Instrument wie ein Baby umarmt und wie ihm ein älterer Jazzmusiker geraten habe, nicht immer so schüchtern zu sein.

Ihre neues Album „Night Walker“ ist sehr atmosphärisch. Sehen Sie die gesamte CD als Nachmusik oder nur das Stück Night Walker“?

Am Anfang mochte ich einfach nur den Namen „Night Walker“. Doch jetzt erscheint mir die Musik des Albums von der Stimmung sehr geschlossen. Ich selber bin ein Nachtmensch, ich mag diese spezielle Nacht-Atmosphäre: Es ist dann so leise, das Telefon klingelt nicht mehr und es ist sehr intim. Nach der Aufnahme des Albums, kam mir die Idee, dass die gesamte CD eine Nacht-Reise ist. Der „Night Walker“ ist jemand, der gerne nachts durch die Straßen geht und dort Menschen trifft.

Haben Sie den Titel auch nachts eingespielt?

Nein, nein (lacht). Das haben wir tagsüber aufgenommen.

Was sagten Sie Ihren Musikern über die Atmosphäre auf dem neuen Album?

Ich brachte die Kompositionen und auch die Cover-Titel mit ins Studio. Zuerst habe ich meine Ideen vorgestellt. Dann haben wir gemeinsam geschaut, was wir verbessern können. Ziel war es, den Melodien den richtigen Charakter und das richtige Gefühl zu geben, um die richtige Geschichte zu erzählen.

War das bei allen Stücken so?

Bei einigen Titeln waren meine Melodien und die Arrangements okay. Bei anderen brachten die Mitmusiker Ideen ein, machten das Stück intimer oder gaben ihm mehr Energie.

Die Musik entstand spontan im Studio?

Ja, genau.

Sie bringen nach Göttingen auch den Saxofonisten Emilie Parisien mit. Mit ihm arbeiten Sie in vielen Projekten zusammen. Was ist für Sie das Besondere an diesem Musiker?

Wir haben eine ganz spezielle Verbindung! Zum ersten Mal spielten wir zusammen in der Band des französischen Schlagzeugers Daniel Humair. Wir haben viele Gemeinsamkeiten, aber unterschiedliche Wege an die Musik heranzugehen. Das ist interessant.

Sie haben ja auch die aufregende Duo-CD „Belle Époque“ eingespielt.

Genau! Und in dem Zuge haben wir über 500 Konzerte als Duo gespielt. Dadurch haben wir viel Zeit auf Reisen verbracht. Wir brauchen nicht zu sprechen, um uns zu verstehen. Wir sind wie ein Ehepaar – ein musikalisches Ehepaar.

Sie haben auch viel mit älteren Jazz-Musikern gespielt. Neben Daniel Humair auch mit Michel Portal oder Louis Sclavis. Was haben Sie von ihnen gelernt?

Michael Portal spielte selber so viel verschiedene Arten von Musik und erzählte mir viele Geschichten. Wir sprachen über Musik im Allgemeinen, über das was man ausdrücken und den Menschen erzählen möchte. Von den älteren Musikern lernte ich, frei zu sein in dem was ich sagen möchte. Daniel Humair hat mich damals aufgefordert mehr zu spielen und nicht so schüchtern zu sein. Ich bin sehr glücklich, diese Musiker getroffen und mit ihnen gespielt zu haben.

Wenn Sie spielen, scheint Ihr Instrument ein Teil Ihres Körpers zu sein. Empfinden Sie das auch so?

Ja, total! Das Akkordeon ist eine Erweiterung von mir selbst. Ich umarme es wie ein kleines Baby. Wenn ich mal ohne mein Instrument in den Urlaub fahre, fehlt mir etwas. Das Akkordeon gehört hundert-prozentig zu mir.

Auf ihrem neuen Album spielen Sie auch von der Rockband Led Zeppelin die Titel „Stairway to Heaven“ und „Kashmir“. Gibt es zwischen Rock und Jazz mehr Gemeinsamkeiten oder mehr Unterschiede?

Es gibt keine Grenzen zwischen Musikstilen! Für mich ist es jeweils das Gleiche. Man muss die jeweilige Sprache der Musik lernen. Heute kann man nicht mehr sagen, das sei „Jazz“ oder „Rock“ – heutzutage wird alles miteinander gemischt. Ich kann von Barockmusik zu Rock und zu Jazz gehen – was auch immer. Für mich ist alles Musik. Man muss nur den passenden Weg der Aufführung finden.

Sie selber kommen aus der klassischen Musik. Wie haben Sie den typischen Swing, das typische Rhythmusgefühl des Jazz gelernt?

Ich lerne das immer noch! (lacht) Ich habe viel Jazz gehört und mit den älteren Musikern zusammen gespielt. Gerade durch das Zusammenspiel mit Ulf Wakenius, dem einstigen Gitarristen des Pianisten Oscar Peterson, habe ich viel über Swing gelernt. Doch für mich hat jede Musik ihren Swing. Jazz hat diese Tanzstimmung, zu Rock’n’Roll lässt sich aber auch gut tanzen. Ich entdecke immer noch und immer wieder viele Dinge in der Musik.

Vincent Peirani gastiert am Freitag, 16. November, um 20 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 1, Göttingen. Das Göttinger Jazzfestival findet von Samstag bis Sonntag, 10. bis 18. November statt. Es treten unter anderem Eva Kruse, Andreas Jäger, Susan Weinert, Julia Kadel, Stanley Clarke, Myra Melford, Al Di Meola, Three Fall & Melane sowie „The KutiMangoes“ auf. Tickets sind im Vorverkauf im Ticketservice des Göttinger Tageblattes, Weender Straße 44, Göttingen und Marktstraße 9, Dudenstadt erhältlich. Mehr Infos zum Göttinger Jazzfestival gibt es unter www.jazzfestival-goettingen.de.

Verlosung von Karten fürs Jazzfestival

Für das Rathaus-Konzert des Jazzfestivals mit dem Susan Weinert Rainbow Trio verlost das Tageblatt dreimal zwei Eintrittskarten. Wer Tickets für die Veranstaltung am Mittwoch, 14. November, um 20 Uhr im Alten Rathaus Göttingen gewinnen möchte, kann am Mittwoch, 7. November, zwischen 8 und 20 Uhr unter Telefon 01 37 / 8 60 02 73 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort "Jazzfestival" auf Band sprechen.

(0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden informiert, ihre Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden.

Von Udo Hinz

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