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Als die Mönche aus Volkenroda kamen

Historie des Klosters Loccum Als die Mönche aus Volkenroda kamen

Dorffest in Münchehagen. Es wird getrunken und geredet. Die Arbeiter aus dem Steinbruch ärgern sich über Verzögerungen beim Bau der örtlichen Schule. Noch mehr ärgern sie sich darüber, kein Laub mehr sammeln zu dürfen. Es bildet sich ein Mob, der das nahe Kloster in Loccum stürmt und fast das ganze Mobiliar im Innenhof verbrennt. Die Menschen im Kloster retten sich über die Mauern in den angrenzenden Wald.

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In der Kirche des Klosters: Taufbecken.

Quelle: epd

Die Episode aus dem März 1848 ist nur eine aus der bewegten Geschichte des Klosters Loccum. Abt Horst Hirschler und Ludolf Ulrich, seit 1985 Mitglied des Konvents, haben diese „Geschichten“ rechtzeitig vor dem 850. Geburtstag des Klosters im kommenden Jahr veröffentlicht. Es sind Geschichten über wichtige Ereignisse, es sind aber auch kleine, lustige Anekdoten.

Schon 1980 hatte Hirschler „Geschichten aus dem Kloster Loccum“ zusammengetragen, das Buch ist vergriffen. Das zweite Buch sei keine Neuauflage, sondern ein Nachfolger mit neuen Geschichten, sagte Hirschler. Dazu zählt auch die Anekdote aus dem Jahr der Expo in Hannover. Vertreter des Mutterklosters in Volkenroda waren in Loccum vorstellig geworden, baten um Unterstützung beim Bau eines neuen Gebäudes.

Das Kloster in Loccum hatte nichts zu geben – aber eine Idee: Warum nicht einen Pavillon für die Expo so gestalten, dass dieser in Volkenroda wieder aufgestellt und dauerhaft genutzt werden kann? Hirschler fand sich schließlich im Kreise der größten Stahlproduzenten Deutschlands wieder. Er bat um acht Millionen Mark, bekam fünf. Das deckte die Hälfte der Kosten. Seit dem Ende der Expo dient der ehemalige Christus­pavillon dem Kloster in Volkenroda als Klosterkirche.

Auch zur Gründung des Klosters gibt es eine Geschichte. Graf Wulbrand von Hallermund versprach am 21. März 1163 bei einer Messe im Dom zu Minden dem Bischof Dorf und Ländereien von Lucca und Umgebung. Dort solle ein Zisterzienserkloster entstehen – das heutige Kloster Loccum. „Wir wissen wenig über die Ankunft der ersten Mönche aus Volkenroda“, sagte Ulrich. Was man weiß, ist im Buch versammelt. Also auch, dass Stroh 1848 teuer war – und deshalb Laub als Streu den Stallboden bedeckte.

Von Gerd Schild

Horst Hirschler, Ludolf Ulrich (Hrsg.): „Kloster Loccum. Geschichten“, Lutherisches Verlagshaus, 256 Seiten, 24,90 Euro.
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