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Alte Feuerwache: Ricardo Hiller schweißt Plastiken aus Altmetall

Ausstellung Alte Feuerwache: Ricardo Hiller schweißt Plastiken aus Altmetall

Eigentlich ist Ricardo Hiller praktizierender Zahnarzt. In seiner Freizeit tauscht er den Bohrer aber gerne mal gegen den Schweißbrenner, um Plastiken zu schaffen. Als Arbeitsmaterial für seine Figuren und Fabelwesen dient ihm das, was er auf Schrottplätzen findet. Seine Ausstellung „Oxi-Art“ ist jetzt in der Galerie Alte Feuerwache eröffnet worden.

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Karikierend: „Don Quixote und Sancho Panza“ (links).

Quelle: Pförtner

Oxidiert, also rostig, sind seine Arbeiten tatsächlich. Zur bloßen Form gesellt sich damit auch das kleiner skalierte Erleben der Textur, das seinen artifiziellen Plastiken eine sanfte Art der Natürlichkeit verleiht. Die Idee der Schrottkunst ist sicherlich nicht neu: Lustige Roboter und Schraubenmännchen kann man mittlerweile in jedem Baumarkt erstehen. Hillers Arbeiten sind jedoch einen Hauch abstrakter und lassen mehr Luft zum Atmen. Damit rettet er seine Betrachter vor einer fremdbestimmten Auseinandersetzung mit seiner Kunst und stellt die einzelnen Objekte und die unendlichen Möglichkeiten ihrer Konfiguration stärker in den Mittelpunkt.

„Der wunderbare, magische Moment“

Auch sein eigener Arbeitsprozess beginnt beim Objekt selbst, Möglichkeiten der Zusammenführung in einer Skulptur ergeben sich für ihn erst später. „Der wunderbare, magische Moment“, in dem er einen Namen und damit eine fixe Gestalt für jedes seiner Projekte findet, liegt meist vor dem Schweißen.

Die Größe seiner Arbeiten variiert stark: „Alicatosaurus“ besteht aus nicht viel mehr als einer Zange, Nägeln und Sägeblatt. Das Objekt, das in eine Handfläche passt, erscheint dem Auge gottlob nicht sofort als possierlicher Dino. Erst der jeweilige Name, der auf Kärtchen neben den Exponaten liegt, bietet eine Möglichkeit der Interpretation. „Don Quixote und Sancho Panza“ dagegen ist lebensgroß und reduziert Miguel de Cervantes’ Protagonisten überzeugend auf karikierte Formen.

„Vorgartenkunst“

Die Arbeit des gebürtigen Chilenen könnte man leicht als „Vorgartenkunst“ denunzieren, was sie in ihrer manchmal ebenfalls durchscheinenden Naivität leicht angreifbar macht. Gleichzeitig merkt man den Werken Hillers aber ein besonderes Gespür für Form und Textur an, das sich nicht auf eine plakative Imitation der nachzuahmenden Gestalt beschränkt. Dieser Umgang mit „Schrottkunst“ ist neu und scheint zu funktionieren: Die Eröffnung der Ausstellung war mit 120 Gästen jedenfalls außergewöhnlich gut besucht.

Bis Donnerstag, 7. Februar, montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4 in Göttingen.

Von Jonas Rohde

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