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Amigos mit „Bis ans Ende der Zeit“ in der Stadthalle Göttingen

Zwei Brüder greifen nach den Sternen Amigos mit „Bis ans Ende der Zeit“ in der Stadthalle Göttingen

Vermutlich waren es die aalglatten Bilderbuch-Schwiegersöhne wie Florian Silbereisen und Semino Rossi, die den deutschen Schlager in die Oma-Ecke katapultiert haben. So was braucht doch niemand. Da ist es gut, wenn nicht gar tugendhaft, dass zwei Brüder das Zepter übernommen haben, die nicht auf jedem zweiten Foto mit einer Rose in der Hand posieren. Die "Amigos".

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An der Gitarre, aber irgendwie doch nicht: Karl-Heinz Ulrich mit seinem interessant singenden Bruder Bernd.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Die „Amigos“ sind spätestens nach dem Echo-Gewinn 2011 die Vorzeige-Buben der Volksmusik – nun waren sie mit ihrem aktuellen Programm „Bis ans Ende der Zeit“ in der Göttinger Stadthalle zu Gast.

Überhaupt scheint das Brüderpaar verwegener zu sein, als man es ihm zugetraut hatte:  Statt eines schnöden Tourbusses fahren sie einen Truck über die Landstraßen, die die Welt bedeuten. Die Videopräsentation zu Beginn des Konzertes ist randvoll mit Vulkanausbrüchen und Blitzen und Donnerwetter – gleichzeitig. Und dann noch das musikalische Versprechen an Publikum und Damenwelt: „Diese Nacht wird schön, das kannst du mir glauben“. All das – und noch viel mehr – macht die Amigos zu den wahren und einzigen Rockern der Volksmusikszene.

Was ist ihr Geheimnis? Eine musikalische Spurensuche: Zunächst sind die eingängigen Harmonien zu nennen, derer sich Bernd und Karl-Heinz Ulrich mit traumwandlerischer Sicherheit immer wieder bedienen. Immer und immer wieder dröhnen die gleichen Harmonien aus einer Anlage, die wohl auch Rammstein genügt hätte. Phrasen und Melodien sind in ihrer metrischen und tonalen Gleichheit fast ins Zeitlose erhoben, während auf jedem einzelnen Schlag ein Akzent liegt. Den Refrain gibt’s beim finalen Aufguss meist einen Ton höher. Und auch wenn Karl-Heinz eine Gitarre zu spielen glaubt: Das klangliche Kolorit ist eine vorproduzierte Synthie-Konserve. Musikalisches Ackerland, Monokultur. Und – wie in der Landwirtschaft auch – ist das unheimlich effektiv.

So effektiv, dass sich diese musikalischen Merkmale haargenau (!) auf ein Lied übertragen lassen, das Kindesmissbrauch anprangern soll.  Diese moralische Keule traf das glückselig schunkelnde Publikum dann doch etwas unerwartet. Ratlose Blicke wurden ausgetauscht, denn man schunkelte ja eben gerade noch so schön. Egal, beim nächsten Lied konnte es weitergehen, da holten sie wieder einmal „die Sterne vom Himmel“. Auch interessant war das Lied „Geronimo“: Hier besangen die Barden einen  Apachenhäuptling, der für seine Heimat starb – unterlegt war das mit original peruanischer Panflöte.

So kreativ wie hier kulturelle Identitäten verhandelt werden, gestalteten die „Amigos“ auch ihren Gesang: Wenn ein Ton zu tief für Bruder Bernd war, wurde dieser einfach gebrummt. Analog funktionierte diese Technik in den hohen Lagen mit untrainierter Kopfstimme. Das war wohl auch der Grund, warum man zu Beginn des Konzertes belehrt wurde, dass Tonaufnahmen „strengstens untersagt“ seien. Diese Jungs sind echte Teufelskerle. Die wissen einfach, was sie tun.

Von Jonas Rohde

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Die  Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich sind besser bekannt als „Die Amigos“. Man mag sie hassen oder lieben, erfolgreich ist das Volksmusik-Duo aber auf jeden Fall.

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