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Andreas Düker spielt Laute im Göttinger Apex

Renaissance-Elektro Andreas Düker spielt Laute im Göttinger Apex

Der Lautenist Andreas Düker hat unter dem von Walt Whitman inspirierten Titel „I sing the lute electric“ ein Programm an Lautenmusik erdacht, das Musik für das ikonische Instrument der Renaissance mit elektrischen Klängen kombiniert. Diese erfrischende Mischung aus Alt und Neu hat er nun im Göttinger Apex vorgestellt.

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Ergebnis geänderter Anforderungen im 17. Jahrhundert: die Theorbe, hier gespielt von Düker.

Quelle: Heller

Noch bevor er den ersten Ton erzeugt, staunt das Publikum über ein Instrument, das man zwangsläufig ungläubig anstarren muss: Eine Theorbe ist eine Laute, die mit einem verlängerten Hals versehen wurde, an dem die Basssaiten angebracht sind, die über einen eigenen Wirbelkasten verfügen.

Die Anforderungen des sich abzeichnenden Generalbasszeitalters im 17. Jahrhundert machten diese interessanten Entwicklungen im Lautenbau notwendig: Ein Schoß­instrument bis unters Dach.

Die bekanntesten Komponisten von Theorbenmusik waren Johannes Hieronymus Kapsberger und Alessandro Piccinini, von deren Schaffen sich Düker an diesem Abend auch reichlich bedient: Überwiegend gibt es kurze Tanzsätze zu hören, die, ganz typisch für diese Zeit, aus pointierter, häufig sequenzierter Motivik und ostinaten Basslinien bestehen. Dies war an sich schon hörenswert: Der klare Ton der Laute erlaubt, gepaart mit der kompositorischen Ästhetik dieser Zeit, die musikalischen Fortspinnungen ohne große Mühe nachzuvollziehen.

Dass dieses saitenschwere Instrument aber überhaupt einen klaren Ton erzeugt, ist natürlich den souveränen Händen Dükers zu verdanken. Ihm gebührt auch das Lob für einen musikalischen Hybrid, den es so vorher noch nicht gegeben haben dürfte: Von ihm zuvor eingespielte Aufnahmen von  E-Bass, E-Gitarre, Barockgitarre und Perkussion begleiten sein Spiel aus dem Hintergrund und erweitern die Klanglichkeit der historischen Musik äußerst reizvoll.

Dabei biedert er sich zeitgenössischen Genres wie dem Jazz aber niemals an und zeigt sich umsichtig genug, beide Musikformen auf Augenhöhe miteinander konzertieren zu lassen. 

Den zweiten Teil des Konzerts bestreitet Düker mit einer kleineren Erzlaute, die zwei Violinen aus Antonio Vivaldis Lautenkonzert in D-Dur hat er kurzerhand mit E-Gitarren ersetzt. Warum auch nicht? Man darf sich glücklich schätzen, dass es versierte Spezialisten für Alte Musik gibt, die das Gespenst der historischen Authentizität abgeschüttelt haben.

Von Jonas Rohde

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