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Annette Hurst zeigt ihre Ausstellung „Inn“ im Künstlerhaus Göttingen

Kartonbau Annette Hurst zeigt ihre Ausstellung „Inn“ im Künstlerhaus Göttingen

Wirft man einen Blick durch die Glastür an der Ecke des Künstlerhauses in der Gotmarstraße, versperrt ein riesiger Karton ein Gutteil des  Blickes. Er steht mitten im weißen Saal, groß, hellbraun und schräg. Beim Betreten des Raumes erweist er sich schnell als eine zu umrundende aber auch begehbare Plastik.

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Erinnerungen an das Inntal: die Künstlerin Annette Hurst in ihrer Ausstellung.

Quelle: Vetter

An drei Seiten geschlossen weist sie an der vierten Seite eine geräumige Öffnung auf und lädt zum Betreten ein. Hellbraune Wände, überkopfhoch, oben ungerade abgeschnitten, eingerissen zum Teil. Auf der linken Seite  verweist eine hellgrau getuschte, etwas mehr als kniehohe Fläche auf einen der Antagonisten, mit denen die Kölner Künstlerin Annette Hurst arbeitet: die Landschaft.

Architektur und Landschaft ist eines ihrer Gegensatzpaare, ein anders die  Diskrepanz zwischen Aufbau und Zerstörung , zudem wetteifern Stadt und Land, als am wichtigsten aber erweist sich wohl der Kontrast von Innen und Außen. Hier bezieht die Künstlerin eine klassische Position, in der Reduktion spitzen sich die Gegensätze spannungsvoll zu.

Sie verlässt sich auf die Form und nicht minder auf das Material. Papp-Fundstücke wie auch Industriekartonagen verwendet sie, bestellt sie wie ein Feld, arbeitet mit ihnen in einem tastenden, mal nachdrücklichen Prozess, setzt sie dem Wetter und den ihnen eigenen Verwerfungen und Wellungen aus.

Hurst zitiert alte Gemäuer, kleine reliefartige Pappschachteln an der Wand werden ausgeklappt zu ruinenhaften Fassaden mit geweißelten Wänden, wenige Durchblicke bieten hineingeschnitten Torbögen oder aufgezeichnete, karge Fensteröffnungen. Sie bezeichnet mit wenigen, mal feinen, mal monumentalen Gesten ihre Interessen.

Das spiegeln auch die großformatigen Zeichnungen mit Holzkohle und Tusche an den Wänden wieder: Das Inntal, gesehen vom Ufer in der Nähe von Nairs aus, findet sich in knappen, beinahe wie automatisiert und flüchtig wirkenden Strichen, eine Brücke verläuft in wenigen Ornamenten darüber hinweg.

Das Hermetische der Papp-Arbeiten ist schnell verschwunden, sie verwandeln sich dem Raum an und nehmen den Betrachter ein Stückchen weit mit.

Von Tina Luers

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1 in Göttingen, bis zum 10. März dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr zu sehen.
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