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Regional Antilopengang in der ausverkauften Musa in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Antilopengang in der ausverkauften Musa in Göttingen
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00:33 16.03.2015
Die Antilopen. Quelle: Heller
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Göttingen

Die Antilopen-Gang klingt nur im ersten Augenblick wie der Deutschrap, der sich seit mehreren Jahren einen Namen verdient, indem er andere Rapper disst, Frauen „bitches“ nennt und betont lustfeindlich über jede Form von Männlichkeit lästert, die mehr kann, als nur hart und steif zu sein.

Die Antilopen sind aber auch nicht die Jungs, die gute Laune verbreiten wollen, im Gegenteil. Die Welt ist schlecht und dem wird durchaus mit harten, bösen Worten Ausdruck verliehen. „Hurensohn“ beispielsweise ist sehr beliebt. Die drei Rapper Koljah, Panik Panzer und Danger Dan haben der Sozialromantik abgeschworen und texten über das Leid von Flüchtlingen, über die rechte Gesinnung der Mitte oder über das gebrochene Selbst. Damit wird man nicht Anführer einer Jungsgang, soviel ist klar. „Deutschrap muss sterben, damit wir leben können“, heißt es passend im Song „Outlaws“, indem die Band ihr Anderssein zelebriert, Schwäche zeigt und sich damit von der ganzen Szene distanziert. „Deutschrap muss sterben!“ brüllt das Publikum im Chor zurück. 

Ohnehin definiert sich die Band über die Dinge, die sie ablehnt. Homophobie, Sexismus und Rassismus etwa, Begriffe, die so mancher Hiphop-Kollege nicht einmal mit Inhalt füllen könnte. Auch wenn das mit dem Sexismus so eine Sache ist, wenn vier Männer auf der Bühne stehen und die Frau die T-Shirts verkauft.

Die Fans sehen über diese Spitzfindigkeiten hinweg und das Kopfnicken an diesem Abend gehört nicht nur zum gängigen Hip-Hop-Habitus, sondern ist ein Ausdruck von Zustimmung. Viele der Songs kann man mitgröhlen. Liedzeilen wie „F*** die Uni“ treffen in Göttingen natürlich das richtige Publikum. Auch die drei Rapper wuchten einiges an Energie zusammen, wirbeln durcheinander, sowohl physisch, als auch musikalisch.

An diesem Abend hat man das Gefühl, dass die Antilopengang den Punk zurück in die Jugendbewegung bringt. Spätestens als der Pogo ausbricht. Ihre Musik fühlt Ungerechtigkeit, analysiert den Ist-Zustand und lehnt ihn in anarchistischer Manier ab. Eben dieses Anarcho-Sein ist etwas, das Musik lange Zeit verlernt hatte.

Man sieht es auch am Bühnenbild. An der Rückwand hängt das pseudo-romantische Cover des Albums, in dessen Ecke eine totgeschossene Antilope liegt, das Drumset besteht im Grunde nur aus Metallschrott und Benzinkanistern, die Hi-Hat hat längst bessere Tage gesehen. Der Drummer, teilweise auch DJ, liefert dafür eine ordentliche Show ab, immer wieder springt er auf das Schlagzeug und hämmert wie wild darauf ein. Dass es dabei noch mehr zerstört werden könnte, davor muss er sich wirklich nicht mehr fürchten. Das ist wahrer D.I.Y.-Glamour.

Von Serafia Johannson

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