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Apex: So ziemlich „alles außer Klassik“

Konzertreihe „Saitensprünge“ Apex: So ziemlich „alles außer Klassik“

"Ein Stil kommt selten allein“. Das war das Motto von Svenja Emonds und Herbert Wegener, die im randvollen Göttinger Apex ein stilistisch tatsächlich breit gefächertes Programm dargeboten haben.

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Neues Duo: Herbert Wegener und Svenja Emonds.

Quelle: Heller

Göttingen. Die „Saitensprünge“, die Wegener neben der Gitarren­nacht zusammen mit seinem Partner Peter Funk organisiert, haben sich im Apex zu einer Institution gemausert, deren musikalisch durchweg hohe Qualität niemand mehr in Frage stellt. Mit Svenja Emonds hat Wegener nun eine Sängerin gefunden, mit der eine weitere Konstellation funktionieren könnte – sofern an der Zusammenarbeit noch ein wenig geschliffen wird.

Das klingt angesichts der Leistung, die beide Musiker erbracht haben, fast schon ein bisschen zu hart: Bald zweieinhalb Stunden stehen Emonds und Wegener auf der Bühne und erfüllen tatsächlich Funks Worte der Anmoderation, so ziemlich „alles außer Klassik“ zu spielen. Von Billie Holiday und den Andrew Sisters bis zu Johnny Flynn und Laura Marling: Das Repertoire ist heterogen, geschmackvoll und beweist ein sicheres Gespür für großartige Songs, die sich dem Vergessen widersetzt haben oder dies aller Wahrscheinlichkeit noch tun werden.

Dazu kommt, dass Wegener, der mit einem fast schon bedrohlichen Arsenal von unterschiedlichen Gitarren gekommen ist, jedem Song eine neues Gewand zu verleihen imstande ist. Ob Konzert- oder Resonatorgitarre, akkordische Begleitung oder Lapstyle, Wegeners Spiel ist in so vielen Genres und Techniken souverän, dass man manchmal mitten im Stück aufspringen und klatschen möchte. Dabei ist er kein Schrammler, er setzt meist auf Arpeggios und eigenständige Melodielinien, die er mit großer Dynamik und metrischer Flexibilität umzusetzen vermag.

Auch Emonds hat zahlreiche Qualitäten: Ihre Stimme ist angenehm ohne trivial zu wirken, und sie hat die seltene Gabe eines fast unschuldig anmutenden Timbres. Sie kann sich zurücknehmen und die Töne für sich selbst wirken lassen, wie sie in Joni Mitchells „Both Sides“ eindrucksvoll bewies. Eine Stimme zum Zuhören und Aufatmen eben. Allerdings wurde man während des Abends den Eindruck nicht los, dass sich Emonds ihrer Qualitäten selbst nicht ganz bewusst war, denn manchmal ließ ihre Stimme die Souveränität und Wandlungsfähigkeit vermissen, die Wegeners Spiel ausstrahlte.

Dennoch war der Abend aufgrund der Leistungen beider Musiker ein Erfolg. Perfekt wird er eben beim nächsten Mal.

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