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April ist der Tulpenmonat im Garten

Freiluftsaison April ist der Tulpenmonat im Garten

Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten“ schreibt im Jahr 1625 Francis Bacon, Kanzler des englischen Königshauses, Wissenschaftler, Bankrotteur, Schriftsteller und Gartenliebhaber in einer Person. Er adelte damit seine eigene Leidenschaft für die kultivierte Pflanze.

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Schillernde Farbtupfer im Garten: Die Papageientulpe bringt den Frühling in die braungrauen Beete.

Quelle: Callauch

Seine Schriften geben Einblicke in die Vielfalt der Frühlingsflora des 17. Jahrhunderts, zu der bereits Veilchen, Goldlack, Osterglocken, Rosmarin, Nelken und natürlich Tulpen gehörten. Seit mindestens 500 Jahren verwandeln die Tulpen im April unsere gerade noch braungrauen Beete in schillernde Farbflecken.

Tulpen sind vom südlichen Mitteleuropa bis nach Zentralasien verbreitet und bevorzugen winterkalte und sommertrockene Standorte. Um 1550 erreichten die ersten Tulpen Europa und brachten damit den Frühling in die Gärten. Ihren Namen verdanken sie Ogier Ghiselin de Busbecq, dem österreichischen Botschafter am Hof des Sultans in Konstantinopel, der sie nach dem Turban seiner Gastgeber benannt haben soll. 1554 brachte er Zwiebeln und Samen heim nach Wien, übrigens zusammen mit der Kaiserkrone (Fritillaria imperialis) und Carolus Clusius (korrespondierte seinerzeit mit anderen Botanikern in 1300 Briefen) teilte sie zum ersten Mal in Sorten nach Blütezeit und Farben ein. Zur Belohnung wurde die „Damentulpe“ 150 Jahre später nach ihm benannt: T. clusiana. Bereits 1590 kultivierte man in Holland diverse Tulpensorten und die Preise stiegen langsam ins Unermessliche an.

Die Zwiebel einer ‚Viceroy-Tulpe“ wurden für den Gegenwert von zwei Wagenladungen Weizen, vier Landungen Roggen, acht Schweinen und zwölf Schafen gehandelt. Die Spekulationsblase brach 1640 zusammen und hinterließ hunderte ruinierter Spekulanten. Dem Siegeszug der Tulpe tat dies keinen Abbruch, im Gegenteil, bis heute sind Tulpen preiswerte Pflanzen geblieben und stehen mit ihren verschiedenen Sorten für eine Blütezeit von März bis Juni. Derzeit stehen die Kaufmanniana- und Greigii-Sorten mit schön gezeichneten Blättern und von niedrigem Wuchs in Blüte, bald kommen die edleren, hohen Papageien-, Darwin- und Lilienblütigen Tulpen dazu. Damit man viele Jahre Freude an Tulpen hat, sollte man eine Düngung während der Blütezeit nicht vergessen. Dazu eignet sich jeder Dünger, auch der selbstgemachte Kompost, den man im April gut im ganzen Garten verteilen kann. In die abgeräumten Kulturbeete werden jetzt Radieschen, Rettich, Schnittsalat und Petersilie eingesät. Wer Mischkulturen mag, lässt dazwischen Platz für Sommerblumen. Tagetes, Sonnenblumen, Roter Lein und Löwenmäulchen können früh zwischen die Gemüsepflanzen gesetzt werden und bilden einen gleitenden Übergang zur Sommerflora.

Immer eine gute Idee ist es, irgendwo am Beetrand, Teichrand oder auch im Steingarten die duftenden und trockenresistenten Gewürzkräuter zu pflanzen. Oregano, Bohnenkraut, Thymian und Majoran sind heute leicht als getopfte Pflanzen zu Saisonbeginn erhältlich und bieten dem Auge und dem Gaumen gleichermaßen Genuss. Im April sieht man, wieweit die Rosen zurückgefroren sind und schneidet entsprechend die toten Achsen ab. Um das Ziel zu erreichen, möglichst früh und lange Kletterpflanzen in Blüte zu haben, kann man die früh blühende Alpen-Waldrebe in Kletterrosenspaliere leiten. Ihr dunkles Blau gibt jetzt einen schönen Vorgeschmack auf die Juniblüte der Rosen. Und zum ersten Mal ist es im April wieder warm genug, um Zeit und Muße in den frisch aufgestellten Gartenmöbeln zu finden.

Sie werden natürlich gesäubert, eventuell eingeölt und mit Kissen versehen. Gartenmöbel sind architektonische Stilelemente und können viel zur Atmosphäre eines Gartens beitragen. Und zum Wohlgefühl der Gartenbesitzer, denn wenn der bereits zitierte Francis Bacon schreibt „Gärtnern ist die reinste der menschlichen Vergnügungen“, so gilt dies auch für die Mußestunden im Garten, die man gedankenversunken allein oder mit Freunden und Familie in seinem geliebten Paradies verbringen darf.

Der Autor ist Kustos im Neuen Botanischen Garten der Universität Göttingen.

Von Rolf Callauch

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