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Regional Argentinische Musik mit dem Göttinger Symphonie-Orchester
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09:44 30.01.2018
Mit atemberaubender Virtuosität: Bandoneon-Solist Juanjo Mosalini. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Eingerahmt war der argentinische Teil des Programms von drei Sätzen aus der Ballettsuite „Estancia“ von Alberto Ginastera (1911-1983), dem bedeutendsten Komponisten des südamerikanischen Landes. Der Reiz der raffinierten Klangfarben und die mitreißenden tänzerischen Rhythmen unter dem temperamentvollen Dirigat von Christoph-Mathias Mueller konnten ihre Wirkung nicht verfehlen, das Publikum hatte sich nach dem Eröffnungsstück bereits intensiv warmgeklatscht.

Wie der Vater, so der Sohn

Gleich darauf betrat Juanjo Mosalini die Bühne, 1972 in Buenos Aires geboren, Sohn des Bandoneon-Solisten Juan José Mosalini (Jahrgang 1943), der seinerseits oft zusammen mit Astor Piazzolla musiziert hat, dem legendären Meister des Tango nuevo. Der Sohn steht seinem Vater – der auch sein Bandoneonlehrer war – musikalisch in keiner Weise nach, er ist weltweit einer der führenden Bandoneon-Virtuosen und ist vielfach als Komponist hervorgetreten.

Das stellte er mit seinem unbegleiteten „Opus 94“ unter Beweis. Er musiziert ungemein ausdrucksreich, sein Ton kann gleichsam aus dem Nichts kommen, ist hier fein und zart, dort durchdringend, ja scharf, mal linealisch gerade, dann auch wieder belebt mit einem Vibrato, das an die menschliche Stimme erinnert. Dazu ist Mosalinis Fingerfertigkeit schier atemberaubend. Zusammen mit dem Orchester bezauberte er als Solist in zwei der schönsten Piazzolla-Klassiker: „Adiós Nonino“ und „Milonga del Ángel“, eine Musik, die süchtig macht, die in die tiefsten Tiefen der Emotion gelangt. Mit seiner bravourösen Kunst versetzte Mosalini in seiner Komposition „Tomá Tocá“ die Zuhörer noch einmal in Begeisterung.

Lebendig mit dem angemessenen Schuss Sentimentalität

Zwei europäische Musikstücke als Beleg für den weltweiten Tango-Siegeszug steuerte das GSO bei: die liebenswürdige Tango-Impression „Fantana“ des österreichischen Komponisten Max Schönherr und der „Tango Jalousie“ des dänischen Komponisten Jacob Gade. Mueller gestaltete diese Stücke sehr lebendig mit dem angemessenen Schuss Sentimentalität, die zu dieser Musik gehört. Einige solistische Leistungen im Orchester sollten besonders hervorgehoben werden, etwa das Solocello und in „Jalousie“ das Violinsolo von Konzertmeisterin Natalia Scholz, deren Rückkehr ins GSO nach ihrem Erziehungsurlaub vom Publikum mit einem Beifalls-Crescendo belohnt wurde.

Konzert im Ausblick: „Russischer Zauber“

Nächster GSO-Termin: „Russischer Zauber“ am Freitag, 9. Februar, um 19.45 Uhr in der Stadthalle. Dirigent ist Christoph-Mathias Mueller, Solist Nikolai Demidenko (Klavier).

Den Schluss des Programms – auf diese Ansage des Dirigenten reagierte das Publikum mit einem bedauernden „Ooh!“ – bildete ein gelungenes Experiment: Mosalini spielte auf dem Bandoneon die Solostimme des populären d-Moll-Oboenkonzerts von Alessandro Marcello. Dank der Stilsicherheit des Solisten, die sich nicht nur in der geschmackvollen Tongebung, sondern auch in seiner am Barock geschulten Verzierungskunst äußerte, war dieses Konzert ein besonderer Genuss. Der Beifall wollte kaum enden.

Von Michael Schäfer

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