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Regional Händel-Oper “Arminio“ für Kinder
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17:12 21.05.2018
Zu den Römern überlaufen oder der germanischen Seite treu bleiben? Für Vater Segeste (Cody Quattlebaum, r.) und Sohn Sigismondo (Sophie Junker, l.) ein Familienzwist. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Die Handlung ist vordergründig historisch. Kurz vor der legendären Varusschlacht: Arminio (Hermann der Cherusker) ist in Ketten gelegt, weil sich Segeste, der Vater seiner Ehefrau, heimlich mit dem römischen Feldherrn Varo verbündet hat. Außerdem ist Segeste gegen die Beziehung seiner Tochter Tusnelda mit Arminio. Obsiegt die römische oder die germanische Seite?

Händel hat aus dem historischen Ansatz ein Familien- und Liebesdrama, gespickt mit Intrigen, gemacht. Das ist auch der Ansatz der Familienfassung vom Montag: Die Oper ist auf die tragenden und vor allem emotionalen Handlungsstränge zusammengestutzt. In der Vorstellung am Montagmittag nutzte Juri Tetzlaff, Moderator und Conferencier, alle Möglichkeiten, den Kindern im Publikum das Auf und Ab von Leid, Triumph, Sanftmut, Wut und Drama nachvollziehbar zu machen. Macht Arminio, der Held, vielleicht doch noch einfach schlapp? Natürlich nicht, war sich das junge Publikum mehrheitlich sicher.

Dramatik in großen Schritten

Die im Libretto von „Arminio“ angelegten (und manchmal nicht gleich sichtbaren) Charakterzüge der sieben Hauptfiguren der Oper machte Tetzlaff mit Anspielungen auf die ganz normale Gefühlswelt heutiger Zeiten anschaulich und nachvollziehbar: Der Moderator gab damit die grobe Handlung vor, die (gestutzten) musikalischen Passagen dienten dann als Illustration dieser Vorgaben. Da funktionierte bestens: Die vielen Kinder im fast vollbesetzten DT folgten gebannt der sich mit großen Schritten entwickelnden Dramatik der Oper, die gleich nach ihrer Entstehung im Jahr 1736 als vermeintlich schwaches Werk nach nur wenigen Aufführungen für zwei Jahrhunderte dem Vergessen anheimfiel.

Ein bisschen schwierig sicherlich, dass die Sänger in den Kostümen der anderen „Arminio“-Aufführungen dieser Händel-Festspiele auftraten – eine einfache optische Aufteilung in Römer und Germanen gab es damit nicht.

Mitbestimmung bei der Handlung

Mitmachen durfte das junge Publikum auch: Tetzlaff bat acht Mädchen und Jungen auf die Bühne, die den gefangenen Arminio bewachen mussten und ihren Dienst mit beeindruckend entschlossenem Gesichtsausdruck versahen. Und es durfte sogar die Handlung mitbestimmen. Als „Premiere bei den Familienfassungen bei den Göttinger Händelfestspielen durften die Kinder entscheiden, wie mit den zum Schluss unterlegenen Römern verfahren werden soll: Mit Versöhnung und großem Herzen oder nach dem Motto „Volle Rache voraus“, wie Moderator Tetzlaff fragte? Die Antwort des Publikums fiel ziemlich, aber nicht ganz eindeutig aus: in den Kerker mit ihnen.

Also verschwanden die Römer und ihr Vasall Segeste im Verließ. Also nicht ganz so wie in Händels Original, wo es ein (nach den hochdramatischen Konflikten der verschiedenen Parteien ziemlich verlogenes) Familien-Happy-End gibt. Da waren die Göttinger Kinder konsequenter.

Von Matthias Heinzel

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