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Radikal kompromisslos

Aulakonzert vom Dover Quartet Radikal kompromisslos

Das erlebt man nicht alle Tage. Nach dem wohl sperrigsten Kammermusikwerk Beethovens überhaupt, der Großen Fuge op. 133, entlud sich am Sonntag die Begeisterung der Zuhörer in minutenlangem Applaus samt Trampeln. Das Dover Quartet aus den USA hat im Aulakonzert sein Publikum im Sturm erobert.

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Gemeinsam atmend: das Dover Quartet mit Joel Link, Bryan Lee, Camden Shaw und Milena Pajaro-van de Stadt (von links).

Quelle: Schäfer

Göttingen. Schon in den ersten drei Tönen von Mozarts F-Dur-Quartett KV 590, mit dem sie den Abend eröffneten, zeigten sie ein derart lupenreines Zusammenspiel, dass es den Anschein hatte, als spiele da ein einziges Instrument. Das wurde auch an Kleinigkeiten deutlich, etwa wenn Primarius Joel Link – traumhaft sicher in der Intonation bis in die allerhöchsten Lagen – eine minimale Atempause zwischen zwei Formteilen einschaltete und diese Pause penibel von allen Mitspielern eingehalten wurde. Ihr Gleichtakt reichte bis hin zu gemeinsamem Atmen.

Eine zweite Kleinigkeit: Mozart schreibt gern getupfte Achtel als Begleitfigur. Ausgeführt werden sie hier von zweiter Geige und Bratsche, dort von der zweiten Geige allein (Bryan Lee) in Doppelgriffen. Beim Dover Quartet ist das klanglich nicht zu unterscheiden, so präzise läuft das synchrone Spiel. Diese perfekte Übereinstimmung vollzieht sich nicht nur auf der technischen, sondern auch auf der gestalterischen Ebene. Paradebeispiel dafür war das Mozart-Finale mit seinen kompositorischen Finessen, die bei allen vier Spielern auch in wirbelndem Tempo bis in die Feinheiten der Artikulation deckungsgleiches Denken verrieten.

Zu welcher Klangschönheit dieses Quartett fähig ist, bewies es im Streichquartett op. 11 von Samuel Barber auf hinreißende Weise. Der zentrale Satz, das vor allem in der Orchesterbearbeitung populäre Adagio, strömte als breit schwelgender melodischer Fluss dahin, woran besonders die tieferen Instrumente beteiligt waren: Milena Pajaro-van de Stadt mit ihrer warm tönenden, wunderbar sonoren Bratsche und Camden Shaw, der seinem Cello eine verschwenderische Fülle von Klangfarben entlockte.

Schluss- und Höhepunkt des Abends war Beethovens B-Dur-Quartett op. 130 mit dem ursprünglichen Finale, der später einzeln als op. 133 veröffentlichten Großen Fuge. Das Dover Quartet interpretierte diese kompromisslose Musik – radikal sowohl in ihrer Schönheit als auch in der bisweilen schroffen Klangrede – mit ungeheurer Intensität, mit einer enormen dynamischen Bandbreite zwischen geflüstertem Pianissimo und beinahe orchestralem Fortissimo, das gleichwohl nirgends roh klang. Der Dank für den Beifalls-Orkan: Duke Ellingtons „In a sentimental mood“, gefühlvoll bis zum Hinschmelzen.

Abschlusskonzert der Aulakonzert-Saison: Ensemble Oxalys am Sonntag, 23. April, um 19.45 Uhr mit Werken von Bruckner und Mahler. Karten gibt es unter anderem bei den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.

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