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Regional Andalusisches Flair mit dem Azahar-Ensemble
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14:00 18.02.2019
Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft mit dem spanischen Holzbläserquintett Azahar Ensemble. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Wechsel der Perspektive: Ensembles aus anderen Ländern stellen oft hierzulande eher unbekannte Komponisten vor. Die Musiker haben einen erfrischend anderen Blickwinkel auf die Musikgeschichte – abseits des klassisch-romantischen Repertoire-Mainstreams von Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum. Das Azahar-Ensemble hat sich der Musik spanischer und französischer Komponisten gewidmet.

Jugendliche Frische, gewachsene Erfahrung

Das Ensemble gründete sich 2010. Es besteht aus Frederic Sánchez Muñoz (Flöte), Tania Ramos Morado (Oboe), Miguel Ramos Salvadó (Klarinette), Antonio Lagares Abeal (Horn) und María José García Zamora (Fagott). Diese Musiker sind alle etwa 30 Jahre alt – ein Alter in dem sich jugendliche Frische und gewachsene Erfahrung gegenseitig anspornen. So standen auf der Bühne der Aula der Universität Göttingen fünf sehr motivierte und zugleich konzentriert agierende Musiker.

Das Bläserquintett brachte Werke von Joaquín Turina (1882-1949) mit. Der Komponist stammt aus Sevilla und stand mit spanischen Komponisten wie Manuel de Falla und Isaac Albéniz in Kontakt. Wie sie huldigt auch er in seiner Musik seinem Heimatland Spanien im Sinne der Nationalen Schulen.

Das Konzert begann mit Turinas „La oración del torero“. Das Werk kontrastiert die Anspannung eines Stierkämpfers mit der Partystimmung des Publikums. Das Ensemble spielte sich warm und meisterte den Wechsel von folkloristisch anmutenden Melodien und spannungsgeladenen abstrakteren Passagen. Die Musiker ließen in diesem facettenreichen Werk gekonnt die unterschiedlichen Klangfarben ihrer Blasinstrumente funkeln.

Orangenbäume, Prozession, Frühlingsfest

Mehr spanisches Aroma und andalusisches Flair bot Turinas Werk „Sevilla“. Drei Sätze beschreiben klangmalerisch Orangenbäume, eine Prozession und ein Frühlingsfest. Das Werk ist transparent arrangiert. So konnten die Musiker in ihren Einzelstimmen hervortreten und mit individueller Phrasierung auf ihren Instrumenten glänzen. Überwältigend war eine Passage in der das Ensemble Bassklarinette, Alt-Querflöte und Englischhorn hinzunahm und wolkenweiche Klänge hervorbrachte. Die lebendige Interpretation dieser klassisch-transformierten Folklore ließ die Musik geradezu mediterran duften – sie wurde zu einem sinnlichen Erlebnis.

Turina ist hörbar auch vom französischen Impressionismus und Komponisten wie Debussy und Ravel beeinflusst. So spielte das Ensemble Werke von zwei französischen Komponisten, um die Einflüsse und den künstlerischen Austausch zu zeigen. Ein Werk von Claude Paul Taffanel (1844-1908) wurde dabei zu einem der Glanzpunkte an diesem Abend. Im Quintett g-Moll zeigten die Musiker, wie dynamisch sie als Ensemble agieren können. Die Musiker wiegten sich mit ihren Körpern im Puls der mitreißend gespielten Musik. Mal verschmolzen die Klangfarben ihrer Instrumente zu einem Gesamtklang, dann wirkten die Einzelstimmen wie ein anregendes Gespräch. Poetische Melodien wurden zart intoniert, es gab ein sehr gefühlvolles Solo auf der Klarinette und selbstbewussten Akzente auf dem Horn. Mehr Lebendigkeit ist kaum möglich.

Zurücknahme solistischer Egos

Von Maurice Ravel (1875-1937) spielten sie das für Bläserquintett arrangierte Piano-Werk „Sonatine“. Kollektiv erschufen die Musiker eine atmosphärische Stimmung. Unter Zurücknahme solistischer Egos schafft das Ensemble einen schönen Gesamtklang.

Das Publikum reagierte enthusiastisch auf die Musik und die Leistung des Azahar-Ensembles. Bereits nach dem ersten Teil des Konzerts vor der Pause war der Applaus so intensiv und langanhaltend, dass die Musiker ein zweites Mal auf die Bühne kamen, um sich zu bedanken – eher untypisch bei klassischen Aufführungen. Ein äußerst inspirierender Abend – auch dank dem Wechsel der Perspektive beim Repertoire.

Das nächste Aulakonzert am Sonntag 24. März beginnt um 19.45 Uhr. Dann gastiert der in Göttingen aufgewachsene Pianist Alexander Schimpf in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz in Göttingen. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

Göttinger Aulakonzerte

Von Udo Hinz

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