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06:16 29.10.2012
Die beiden Köpfe der „Nighthawks“: Dal Martino (links) und Reiner Winterschladen. Quelle: EF
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Sie lächeln immer so zufrieden auf der Bühne. Machen die Bass-Grooves glücklich?

Das Zuhören macht mich glücklich. Wir legen unsere Konzerte so an, dass es nicht nur darum geht zu spielen, sondern auch zuzuhören. So können wir aufeinander reagieren. Unsere Stücke unterscheiden sich auf der Bühne von den Studioaufnahmen, weil wir aus dem Moment immer wieder Neues schöpfen wollen. Ich freue mich über unvorhergesehenen Input von unseren Mitmusikern. Das macht Freude – wie jede schöne Überraschung!

Nighthawks zaubern diese nächtlichen Stimmungen in die Musik. Sind Sie selber ein Nachtmensch?

Schon auch. Als Reiner und ich begannen, zusammen zu arbeiten, konnten wir nur die freien Zeiten eines großen Studios in Düsseldorf bekommen für kleines Geld – und das sind die Nachtzeiten. Ich habe erkannt, dass das eine sehr inspirierende Zeit ist, außerdem wird man nicht gestört.

Die Musik verströmt auch etwas sehr Urbanes.

Reiner und ich leben ja in der Stadt – er in Hamburg, ich in Köln. Ich selber habe jahrelang in Los Angeles gelebt. Viele  Musiker zieht es in die Stadt, weil da die Plattenfirmen, die Studios und das ganze Umfeld sind.

Wie haben Sie Reiner Winterschladen kennengelernt?

1990 gab es ein Festival in Köln mit der besonderen Idee, Bands zusammenzustellen mit Musikern, die normalerweise nicht zusammenspielen. Ich spielte unter anderem mit Reiner – wir haben uns quasi auf der Bühne kennen gelernt. Daraus wurde die Band „Trance Groove“. Später haben wir als Duo kleine Stücke für eine Filmmusik eingespielt. Diese Fragmente haben wir ausgebaut – und daraus entstand 1998 die erste Nighthawks-CD „Citizen Wayne“.

Nach außen sind die Nighthawks immer ein Duo geblieben, keine Band. Warum?

Die Musik entsteht aus dem Spannungsfeld von Reiner als Jazztrompeter und mir als Bassisten und Produzent. Wir gehen zunächst zu zweit in Klausur, komponieren und verfeinern die Ideen. Daran hat sich auch nichts geändert. Anfangs sahen wir uns eher als ein Studioprojekt und haben die ersten sechs Jahre auch gar nicht live gespielt. Unser erstes Konzert mit Band war 2005, da hatten wir schon drei CDs veröffentlicht und waren sozusagen schon als Duo etabliert.

Als Bassist agieren Sie im Hintergrund. Doch mit Ihren Grooves haben Sie die Zügel in der Hand.

Ich lege die Stücke vorher an und übe sie mit den Musikern ein, achte dann darauf, dass so etwas wie „freie Felder“ entstehen, in denen etwas Neues passieren kann. Hie und da dirigiere ich dann von meiner Position aus – hauptsächlich mit den Augenbrauen, die Hände sind ja beschäftigt (lacht).

Irgendwie ist Ihr Electro-Jazz eine sehr europäische Stilistik mit Wurzeln im Acid Jazz – oder irre ich mich?

Aus den USA kommt der klassische Jazz – die Innovationsschübe von Musikern wie Charlie Parker oder Miles Davis in den 70er, 80er Jahren waren auch von New York geprägt und haben neue Stilistiken erschaffen. Doch als Europäer haben wir andere Einflüsse. Ein Beispiel: Ich lebe mitten in Köln und bin von ElektroDJs umgeben, hier stand das erste elektronische Studio von Stockhausen und die Musiker von Can leben hier. Diese Einflüsse in Verbindung mit Jazz zu bringen, lässt auch eine neue Stilistik entstehen.

Sie sind Crossover-Musiker und agieren zwischen Elektronik, Jazz, Rock und Pop. Kann die Jazzszene etwas von der Rock- und Popszene lernen?

Im Einzelfall schon. Es gibt durchaus Jazzmusiker, die zu konservativ und verkopft sind und zu eigendreherisch agieren. Sie nehmen den Zuhörer emotional nicht mit. Bei Nighthawks legen wir großen Wert auf die Emotionen und auf eine allgemeine Verständlichkeit.

Mit Reiner Winterschladen spielen Sie schon so lange. Was ist das Besondere an ihm?

Reiner ist ein Ausnahmetrompeter mit einer riesigen Vorstellungskraft. Er kann sich mit der Trompete in Sekunden in Bereiche hineinlavieren, wo ich nie auf die Idee käme, so etwas zu komponieren. Er kommt aus dem Freejazz und hat sich den Freigeist bewahrt.
Es gibt bestimmt auch viele Gemeinsamkeiten.

Wir beurteilen musikalische Qualität nach ähnlichen Gesichtspunkten und begegnen anderen Musikern mit Toleranz und Respekt. Wir haben viele gemeinsame musikalische Wurzeln: Als Jugendliche haben wir beide T. Rex gehört und sind als Kinder mit der Trompetenmusik von Herb Alpert aufgewachsen. All das formt einen gemeinsamen Geschmack.

Gibt es bei Ihnen eine Rollenteilung?

Wenn man wie ich Produzent ist, und mit der Tontechnik zu tun hat, verbringt man viel Zeit mit den Studioproduktionen. Dadurch habe ich oft eine klarere Sicht, was den Stücken fehlt oder was zu viel ist. Dadurch bin ich im Studio eher der Reiseführer und Reiner der Reisende.

Wie klingen die Nighthawks in zehn Jahren?

Das kann man nicht vorhersagen. Der Ausdruck in der Musik und Kunst ist immer von der Eingebung geprägt und die hängt von Realitäten ab, die halt noch nicht sind. Ich weiß nur, dass sich unsere Musik mit der Zeit verändern wird. Die eigene Art und Weise, unsere Inspirationen in Musik umzusetzen, wird dabei immer das Entscheidende bleiben.

Von Udo Hinz

Die Nighthawks gastieren am Sonntag, 11. November 2012 um 20 Uhr in der Musa, Hagenweg 2a in Göttingen. Karten gibt es unter anderem beim GT-Ticketservice, Jüdenstraße 13c in Göttingen.

 

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